444 Bewohner Australiens. Bewohner von Neuseeland. Gebräuche verschiedener Art.
Auch bei den Neuseeländern ist, wie bei den meisten Bewohnern der Südsee, der Tabu oderTapu hochgeachtet. Die ursprüngliche Bestimmung desselben war zweifelsohne der Gottheit Zorn zu beschwichtigen, und sich dieselbe durch freiwillige Entbehrungen zugethan zu machen. Nicht leicht dürfte eine Religion gefunden werden, in der man nicht von diesem Glauben eine Spur vorfände. Wohin man blickt, trifft man fast immer, daß der Mensch die Gottheit nach seinem Bilde sich gemodelt, und ihr seine Launen, Eigenschaften und Leidenschaften zugetheilt hat. Und überall halten die Menschen es für leichter, ihre Fehler durch zeitliche Entbehrungen zu büßen, als sich zu bessern.
Der Neuseeländer glaubt, daß diese Zeremonie Gott gefalle, und daß jeder Gegenstand, welcher durch den Tabu geheiligt worden, sich unter der unmittelbaren Gewalt der Gottheit befinde, »nd dadurch von jeder unziemlichen Berührung geschützt sei. Atua's Zorn würde der anfachen, der es wagen wollte, eine geweihte Sache anzurühren. Der Tod würde ihn unfehlbar treffen. Um den Zorn Gottes abzuwenden, vollzieht man an dem Frevler strenge Strafen, und wenn er einer vornehmen Familie Mitglied ist, kann er nicht nur aller seiner Güter, sondern auch seines Ranges baar werden; gehört er dem Volke an, oder ist er gar Sklave, so sühnt er seinen Frevel durch den Tod.
Wenn eine Ahnung, oder das Wort eines Priesters, oder ein Traum Jemand auf den Gedanken bringt, daß Gott über ihn aufgebracht sei, so legt er auf Haus und Felder, auf Pirogen und was er sonst hat, Tabu, und allen Leiden ungeachtet, welche ihm daraus erwachsen, beraubt er sich doch der Nutznießung und des Gebrauches dieser Gegenstände. Der Tabu geht entweder den Einzelnen an, oder er ist allgemein, so daß Niemand sich den geheiligten Gegenständen nähern darf.
Ein Mensch, welcher für tabu erklärt, und so von allem Verkehr mit seinen Landsleuten ausgeschlossen ist, darf nicht mit seinen Händen Nahrung zum Munde bringen. Gehört er dem Volke an, so muß er alle Speisen mit dem Munde nehmen; ist er aus den höheren Klassen, so bestellt man mehre Sklaven zu seinem Dienste. Den Häuptlingen steht die sehr einträgliche Macht zu, ihre Untergebenen unter den Tabu zu thun. Wenn ein Häuptling besorgt, daß es seinem Stamme an Schweinen, Fischen, Muscheln oder sonst etwas fehlen könne, so erklärt er diese Gegenstände auf eine ihm beliebige Weise tabu (heilig, unantastbar), und steuert so dem Verbrauche.

