Bewohner Australiens. Bewohner von Neuseeland. 445
Will er lüsterne Nachbarn von seinem Hause oder von seinen Feldern entfernt halten, legt er Tabu auf diese Gegenstände. Wenn er den Alleinhandel mit einem europäischen Schiffe treiben will, so entfernt er durch theilweisen Tabu Alle die, mit welchen er den vortheilhaften Handel nicht zu theilen beabsichtigt. So kann jedes Oberhaupt, welches diese schreckliche, geheimnißvolle Waffe gut zu handhaben versteht, seine Unterthanen zu leidendem Gehorsam zwingen.
Es gibt Gegenstände, welche an sich selbst tabu stnd, als z. B. die Leichname, vorzüglich die der Vornehmen. Am Menschen ist der Kopf am vorzüglichsten tabu, und auch die Haare desselben sind es. Wenn die Haare abgeschnitten sind, wirft man sie an eine Stelle, von der man überzeugt ist, daß Niemand darauf treten werde. Wer seine Haare abschneiden ließ, ist einige Tage lang tabu, und darf nicht mit den Händen essen. Auch die, welche erst tatowirt worden sind, sind tabu.
Diese Sitte ist Grund, daß die Neuseeländer in ihren Hütten keine Vorräthe, am wenigsten Gegenstände aus dem Thierreiche leiden können, weil sich ein folgenreiches Unglück von schlimmen Folgen ereignen würde, wenn sich ihr Kopf zufälliger Weise unter einem solchen Gegenstände befände.
Die Europäer, welche zuerst nach Neuseeland kamen, benutzten diesen landesüblichen Gebrauch, um der vielen lästigen Besuche los zu werden. Sie hängten an die Decke ihrer Hütte ein Stück Fleisch, worauf die Eingeborenen sich wohl in Acht nahmen, sich zu nähern. Mehre eingeborene Häuptlinge weigerten sich, unter die Schiffsräume zu steigen, weil sie befürchteten, es könnte auf dem Verdecke Jemand über ihnen stehen.
Nie essen die Eingeborenen im Innern ihrer Häuser, und können es nicht leiden, wenn die Europäer diese Sitte verletzen. Eben so wird es für ein Verbrechen gehalten, an einem Platze, an welchem Lebensmittel aufbewahrt werden, Feuer anzuzünden.
Es ist nicht erlaubt, daß ein Häuptling sich mit einem gemeinen Mann an demselbeu Feuer wärme, oder sein Feuer an dem desselben anzünden dürfe. Wer tödtlich krank ist, unterliegt dem Tabu; eben so eine Frau, vor dem Eintritte gewisser Umstände. In Hängematten setzt man sie auf dem Felde aus, und Freunde und Verwandte verlassen sie gänzlich, während man bei uns in Europa sich gerade dann bemüht, mit Beistand zur Seite zu sein.
Es gibt bestimmte Nahrungsmittel, welche ihnen durchaus verboten sind, und zuweilen müssen sie mehre Tage lang hungern, weil man allgemein glaubt, daß irgend eine Übertretung dieser Vorschriften augenblicklich

