Bewohner Amerika s. Die Indianer. 4V

viel Schade» sie mir verursacht hätten, da ich Willens gewesen wäre, diese Wiese in einigen Tagen abzumähen. Als-ich meine Beschwerde vorgetragen hatte, antworrcte einer von ihnen: Mein Freund, dn scheinst Anspruch aus das Gras zu machen, welches meine Pferde gefressen haben, weil dn es eingezäunt hattest; nun sag mir aber einmal, wer hat das Gras wachsen lassend Kannst dn es wachsen lassen? Ich glaube nicht, und Niemand kann es außer dem großen Manitto! Er läßt es für deine und meine Pferde wachse»! Siehe, Freund, das Gras, welches auf der Erde wächst, gehört Allen zu, das Wild in den Wäldern gehört Allen zu! Sage, hast du nie­mals Wildbrät oder Bärenfleisch gegessen? Ja wohl, öfters, antwortete ich. Nun, hast du denn jemals gehört, daß ich oder irgend ein anderer Indianer sich darüber beschwerte? Nein! So lasse es dich dann nicht bekümmern, daß meine Pferde nur ein einziges Mal von dem Grase, welches du dein nennst, gefressen haben, da doch das Gras, welches meine Pferde fraßen, ebensowohl, wie das Fleisch, welches du aßest, den Indianern von dem großen Geist gegeben wurde, llberdieß wirst du sinden, daß meine Pferde nicht all dein Gras gefressen haben, aber doch will ich, der Freundschaft wegen, meine Pferde nie wieder in deine Wiese führen.

Wohnungen.

Die Wohnungen der Indianer Nordamerika's haben zum Theil Ähn­lichkeit mit den schlechtesten Häusern Deutschlands, zum Theil sind sie zelt- ähnlich, zum Theil rund, und, je nachdem das Klima ist, entweder offen, oder nur mit einem Dache versehen, oder mit Lehm, Stangen und Baum­rinde zugemacht. Je nachdem die Wohnung (Wigwam) größer oder kleiner werden soll, treibt man 4 oder 6 oder 8 Pfosten in die Erde. Diese bilden dann das Hauptgestcll. In einer Entfernung von zwei bis drei Zoll von einander rammt man dünne Pfähle in den Boden, zwischen den oben ge­nannten Pfosten. Diese Pfähle verbindet man durch Stangen, welche quer über die Pfähle befestigt werden. Darauf verstreicht man dieses Gitter­werk mit Lehm oder Thon, zuweilen bekleidet man es mit grobem Kalke, oder mit verwitterten oder gebrannten Austerschalen, wodurch das Ganze ein reinliches Äußere bekommt. Wenn man die Wände mit Baumrinde bekleidet, so wählt man dazu die Rinde starker Linden, die man in Stücken von drei bis vier Ellen Länge ablöset, und mit Steinen beschwert, damit die Krümmung in Ebene verwandelt werde. Diese Stücken Rinde befestigt man auf das Gitterwerk des Hauses, sowohl von Außen als von Innen, entweder mit Bast, mit Schlingkräntern oder mit Weiden. Je nachdem

K. K. V. Hoffuiunn's Völkerkunde. II. 4