70 Bewohner Amerika'6. Jndiancrstämme von Obcrkalisornlen.
lind der Padre war der Meinung, das; die wenigen neu Bekehrten viel zu theuer bezahlt seien. So könnte dem frommen Manne vielleicht die Lust vergehen, wieder eine Expedition zu unternehmen, und die armen Indianer hätten dann vor der Hand Ruhe, und dürften nicht besorgt sein, von ihren eigenen Laudsleuteu niedergemetzelt und in Gefangenschaft geschleppt zu werden. Es war dem Pater sehr ungelegen, das; die Kosomenes sich so tapfer um ihre Haut gewehrt hatten, und es war nicht unwahrscheinlich, daß dieselben einen Angriff auf ihre frommen Freunde versuchen möchten.
Täglich wird in der Mission Morgen- und Abendmesse gehalten, und alle bekehrten Indianer müssen beim Hochamte zugegen sein. — Wenn ein Indianer nicht zur rechten Zeit in der Kirche ist, so hilft man ihm mit Peitschenhieben den Weg schleunigst finden. Damit die Ordnung in der Kirche nicht gestört werde, stehen, während des Gottesdienstes, mehre Alguazils mit Peitschen, Stöcken und Stachelstöcken in derselben. Sie haben besonders darauf zu achten, das; die Anwesenden beständig auf den Knieen liegen bleiben. Die Stachelstöcke sind zu diesem Geschäfte weit bequemer, als die Peitschen, weil man damit kein Geräusch macht, weit reichen, und einen tüchtigen Stich versetzen kann. Am Ende der Kirche stehen Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten.
Nach ihrer Bekehrung verhalten sich die Indianer zwar ruhig, und fügen sich, sind aber außerordentlich träge, dem Trunke und andern Lastern ergeben. Hazardspiele lieben sie leidenschaftlich. Sie verspielen nicht nur ihre Kleider vom Leibe, sondern spielen oft sogar um ihre Frauen. Kartenspiele haben sie von den Spaniern erlernt, doch haben sie auch mehre Spiele, welche bei ihren Landsleuten im Gebrauche sind, unter welchen das Trisse (Gerade oder Ungerade) ist, das man auch in Deutschland und andern europäischen Ländern kennt.
Die Indianer pflegen in der einen Hand ein Stückchen Holz zu verbergen, während die andere Hand leer ist. Dem Mitspieler werden beide Hände vorgehalten, und er muß errathen, in welcher Hand sich das Stückchen befindet. Ein anderes Spiel der Indianer ist das Eskondi dospiel, (in England unter dem Namen Iniming tlie slippcr — die Pantoffeljagd — bekannt).
Das Tagersiaspiel erfordert einige Geschicklichkeit. Es besteht darin, daß man eine Scheibe, die in der Mitte ein Loch hat, auf dem Boden hinrollt, und mit einem Speere durch das Loch zu werfen sucht. Wenn der Speer durch das Loch trifft, so gilt das zehn, trifft er blos die Scheibe so, daß sie auf ihn fällt, gilt das zwei.

