Bewohner Amcrika's. Bewohner von Mejiko. 75

auffallenden Ernst, und weit mehr Verstand und Entwicklung als ein Kind der Weißen. Nur wenn berauschende Getränke auf den Amerikaner wirken, vermindert sich sein Ernst. Die gleichgültigsten Gegenstände behandelt der Bewohner von Mejiko als etwas Gcheimnißvolles, und er ist so scheinbar ruhig, daß man es ihm nicht einmal ansehen kann, wenn ihn die heftigsten Leidenschaften bewegen. Geht diese starre Ruhe, dieses düstere Wesen ein­mal in heftige Bewegung über, so ist das erschrecklich anzusehen.

Hartnäckig, wie es bei allen unterdrückten Völkern der Fall ist, hängen die Bewohner von Mittelamerika an ihren Gewohnheiten, ihren Meinun­gen und Sitten. Das Kristenthum hat bei ihnen nur eine Veränderung der Zeremonien hervorgebracht; ihr Karakter ist sich gleich geblieben, wenn er nicht sogar unbeugsamer geworden ist. Nicht aus Überzeugung, gezwun­gen nehmen sie das Kristenthum an, weil die politischen Verhältnisse es so erheischten. Auch auf der westlichen Erdhälfte, wie auf der östlichen, waren halbbarbarische Völker gewohnt, von den Siegern neue Gesetze und Einrich­tungen anzunehmen, und die alten Götter mit den Göttern der Sieger zu vertauschen.

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Musik und Tanz.

Die Musik macht auf die Indianer weit nicht den Eindruck, wie auf die Europäer, sie sind von Hause aus zu ernsthaft dazu. Ihre Gesänge haben etwas Schwermüthiges, Trauriges, Klagendes, und man erkennt sogleich, daß es diesen Völkern an Fröhlichkeit fehlt, und sie gleichsam die Eegenfüßler der aufgeweckten Volker Italiens sind. Das weibliche Ge­schlecht ist aufgeweckter, lebhafter, und fröhlicher als das männliche, wird aber von demselben sehr unterdrückt, und tanzt nicht mit, wenn je einmal getanzt wird.

Malerei und Bildhauerkunst.

Im Nachahmen sind die Indianer überaus geschickt, und es ist zu ver­wundern, was sie mit unvollkommenen Werkzeugen auszurichten vermögen. Seit 300 Jahren machen sie vorzugsweise die Heiligenbilder nach, welche

, sie durch die Spanier kennen lernten. Sowohl ihre Gemälde, als ihre

Statuen, bleiben sich immer gleich, weil sie der Meinung sind, man dürfe an Göttern und Heiligen nichts ändern, und die eine Form, welche sie kennen gelernt haben, sei die rechte und unabänderliche. An Einbildungs­kraft fehlt es ihnen, und wenn sie auch sehr leicht lernen, viel richtigen Verstand haben, sehr genau zu vergleichen und zu unterscheiden vermögen,