Bewohner Amerika'ö. Die Hinterwaldncr. lü7
er nicht, sollte dieselbe aber die Kunst Gold zu machen lehren, dann würde er sogleich dabei sein, so schnell, als möglich davon sich so viel anzueignen, als gerade nöthig wäre, um recht viel Geld zu erwerben. Filosofen und Dichter mögen ja nicht in die vereinigten Staaten auswandern, wenn sie nicht reich sind, und Landbauer werden wollen, denn bei ihrer Weltweisheit und Poesie müßten sie sonst sicher verhungern.
Um Geistlicher zu werden, ist es gerade nicht nothwendig, Gottes- gelahrtheit studirt zu haben. Zuweilen geht ein künftiger Geistlicher zu einem Prediger in die Lehre, und wenn er dazu weder Lust noch Gelegenheit hat, so bereitet er sich, auf seine Faust, zu seinem künftigen Berufe vor. Am besten sind die Geistlichen von der anglikanischen Hochkirche, am geringsten die von den deutschen reformirten Gemeinden besoldet, doch hat kein Geistlicher ein jährliches Einkommen, das 4000 Dollars übersteigt. In den nördlichen, mittleren und westlichen Staaten ist das Amt eines Predigers oft sehr beschwerlich, da er in einem Jahre 100 bis 150 deutsche Meilen umherreiten muß, wenn er seinen Pflichten und den Ansprüchen, die an ihn gemacht werden, nachkommen will. Natürlich ist bei diesem Herumreiten an Studiren nicht zu denken.
Weit besser, als die Geistlichen, haben es die Rechtsgelehrtcn; denn obgleich Bauern und Schuhmacher, Wirthe und Krämer in den hohen Rath des Volkes gewählt werden können, kann doch nur ein Rechtsgelehrter Präsident, Staatssekretär und Senator werden. Aus dieser Ursache pflegen die Söhne von wohlhabenden Familien, wenn anders sie zum Gelehrtenstande Lust haben, die Rechte zu studiren. Ist keine Hochschule in der Nähe, so gehen sie zwei oder drei Jahre zu einem Advokaten in die Lehre, werden darauf vom Gerichtshöfe geprüft, und dürfen dann für sich selbst praktiziren.
Die Ärzte haben es (obgleich es auch Ausnahmen darunter gibt) nicht weit gebracht.
Die Volksschulen sind im Ganzen besser bestellt, als die Gelehrtenschulen, besonders in den älteren Staaten, wo sehr viel dafür geschieht, und jeder Bürger, gleichviel ob er Kinder hat, oder nicht, je nach seinem Vermögen für den öffentlichen Unterricht eine Abgabe entrichten muß. In den neuen Staaten ist das Einkommen der Schulen auf Grund und Boden angewiesen. Dafür erhalten sowohl die Kinder der Armen als der Reichen unentgeldlichen Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, und zuweilen auch in der Erdbeschreibung, in der Geschichte des Vaterlandes und in der allgemeinen Geschichte. Da wo die Kinder an den Wochentagen nicht

