114 Bewohner Amerikas. Bewohner von Chile.

Befreiungstag von der Herrschaft der Spanier anfleht, und für immer fest­gesetzt hat, das; diese Feier drei Tage lang, den il., 12. und 13 . Februar, Statt haben solle. Wir kamen am 11. Februar von unserer Reise nach Sän Fernando zurück, und befanden uns gegen Mittag in der Nähe des Maipn, als wiederholte Kanonensalven uns diese Feier zu Santiago ver­kündigten. Als wir in die Stadt kamen, fanden wir dieselbe in einem fieberhaften Zustande; die Truppen marschirten in Parade, mit klingendem Spiel und ausgerollten Fahnen, durch die Straßen; hie und da gingen einzelne Trommelschläger die Srraße auf und ab, und unterhielten das Volk mit ihrer Muflk. Vor einem jeden Hause hing die chilenische Flagge heraus, was den Straßen ein sehr buntes Ansehen gab. Das Geläute der Glocken von den Kirchen und Klöstern, das beständige Schießen und Ab­brennen von Hunderttausenden kleiner Schwärmer, die man in ganz Südamerika, so wie auch in China, zur Verherrlichung des Gottesdienstes gebraucht; Alles dieses war ununterbrochen zu hören, und dauerte bis zum andern Morgen fort, um dann wieder von Neuem zu beginnen. Nachts war auf der Pla?a prachtvolle Muflk, und Feuerwerke, welche die ganze Bevölkerung der Stadt herbeigeführt hatten, wurden aller Orte abgebrannt. In den Theatern wurden, vor dem Beginnen der Stücke, Reden gehalten, und Volkslieder abgesungen, die auf das dulce patria und dulcc indepen- dencia Bezug hatten. Die ganze Nacht hindurch war die Stadt erleudttet und große Feuer brannten anf der Plapa, wo der Gouvernementspalast sehr geschmackvoll mit Lampen verziert und mit Jnflchriften versehen war. Auf dem kleinen Kastell Sän Lucia, das flch auf dem Berge gleiches Na­mens über die Stadt erhebt, wurde das große Feuerwerk abgebrannt, das sich bei dem prachtvoll gestirnten Himmel, und der Ruhe der Natur, die nur durch fernes Leuchten der Feuerberge unterbrochen wurde, außerordent­lich gut ausnahm."

Wenn wir hier ein einfaches Bild von dem Leben und Treiben der Be­wohner von Santiago zu entwerfen suchten, so ist es wohl mehr als zu ge­wiß, daß flch manche Fehler in dem Kolorit desselben eingeschlichen haben, da unser Aufenthalt daselbst theils zu kurze Zeit währte, und theils so vielfach verschiedene Geschäfte uns oblagen, als daß wir uns ganz der Beobachtung des Volkes hätten hingeben können. Wir vermieden es wohl, die Sitten und Gebräuche dieser Völker mit einem Maßstabe zu messen, der in unserem kalten Norden eingeführt, und durch das Recht der Jahr­hunderte geheiligt ist, und theilen wir auch hie und da Thatsache» mit, die von den Gebräuchen in unserem Vaterlande sehr weit abstechen, so