118 Bewohner Amerikas. Bewohner von Chile.

und ihre Religion hintrugen, da hat auch dieser feierliche Brauch tiefe Wurzel gefaßt.

Abends spät, um 9 und io Uhr werden Familienbesuche abgestattet, die bis lange nach Mitternacht fortdauern, und womit die Tagesarbeit schließt. Besondere Einladungen finden hier nicht Statt; wer einmal durch einen Bekannten des Hauses der Familie vorgestellt ist, dem ist der Zutritt für immer erlaubt; er kann kommen, so oft er will, und kann wieder fortgehen, wenn er sich in dem Kreise, den er vorfindet, nicht unterhält, ohne daß es übel aufgenommen wird. Sind die Zimmer des Hauses erleuchtet, und stehen die Thüren offen, so ist es ein Zeichen, daß die Familie zu Hause ist, und Besuche annimmt. Den Herrn vom Hause trifft man nie zu Hause an; wir selbst find wochenlang in mehren Häusern auö- und eingegangen, haben aber niemals den Herrn deffelben kennen gelernt. Die Damen find prachtvoll gekleidet, und mit duftenden Blumen im Haare geschmückt, wenn sie Besuche annehmen; eine Unterhaltung be­ginnt, die sich durch witzige Redensarten und Wortspiele besonders auszeichnet, und Musik, Gesang und selbst Tanz, von einzelnen Paaren aufgeführt, verkürzen die Zeit; beständig kommen neue Besuche und andere gehen wieder ab, um noch die zweite und dritte Gesellschaft zu besuchen, was man bis nach 12 Uhr Nachts fortsetzen kann. Hier kommt man nur zur Unterhaltung zusammen, und nicht zum Essen und Trinken, was in manchen anderen Ländern die Hauptsache ist; gewöhnlich wird hier etwas von eingemachten Früchten präsentirt, die in diesem Lande, wie auf der ganzen Westküste von Südamerika, und in den übrigen überseeischen Kolo­nien der Spanier, unter dem Namen des Duke, so berühmt find. Man bereitet dieses Duke, das etwas säuerlich schmeckt, durch Einkochen von Früchten mit Zucker; besonders ausgezeichnet ist das Duke <ie wem drill» de lucuma, das von verschiedenen Abarten der Quitten bereitet wird. Die Verschiedenheit in der Bereitung dieser eingekochten Fruchtsäfte ist unend­lich groß, und die Chilener sind unerschöpflich im Hervorbringen neuer Sorten. Der Verbrauch dieses Gegenstandes ist im ganzen Lande außer­ordentlich stark, und er ist selbst ein bedeutender Artikel des Binnenhandels. Das Duke von La Paz in Bolivien ist weltberühmt und Gegenstand der Ausfuhr. Der Genuß dieser Sachen ist aber auch in der That sehr ange­nehm, und auf unseren späteren Reisen im Hochgebirge war es oftmals das einzige Erfrischungsmittel, das uns geblieben. Man ißt davon nur einige Theelöffel voll, und trinkt darauf ein Glas Wasser nach, in den vornehmen Famlien wird das Duke auf ganz kleinen Kristallschalen prä-