Bewohner Amerika s. Die Tubas, Makvbys und Abipvner. 129
der Sacke. Was in der übrigen Welt vorgeht, ist den Eingeborenen dieses Landes fremd und gleickgiltig. Auch für Naturschönhcitcn haben sie weder Sinn noch Bewunderung.
Die Kinder der Kreole», welche ganz nackt gehen, behängen sich den Kopf mit allerlei Lappen, wie mit einem Sckleier, um sich zu putzen. Die etwas älteren Knaben tragen nichts Anderes, als einen Hut und eine Weste. Fast Jedermann trägt einen Rosenkranz, oder ein Agnus Dei am Halse. Begegnet ihnen etwas Übles, so kommt es vor, das? sie ihren Rosenkranz schlagen. In jedem Hause trifft man entweder ein Kristusbild, oder ein Heiligenbild zur Verzierung. Bei Krankheits- oder Unglücksfällen werden Gelübde gethan, nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Personen, die man lieb hat.
Da die Luft am Morgen kühl ist, am Mittage die Hitze unausstehlich wird, tritt erst nach Sonnenuntergang eine angenehme Temperatur ein. Auf dem Lande pflegt man im Sommer gewöhnlich außerhalb der Wohnungen unter freiem Himmel zn schlafen, und sowohl zum Ausruhen, als zum Speisen Stellen zn wählen, wo Luftzug herrscht. Die Reichen wohnen besser, als die Armen. Dieses ist aber auch fast der einzige Unterschied zwischen Beiden; denn im Übrigen lebt der Arme beinahe eben so gut, wie der Reiche.
Die Knaben werden sehr frühe an den Gebrauch des Lasso und der Bola gewöhnt, und sie stellen mit diesen Iagdgeräthe» den Hühnern, Hunden und Katzen nach. Die Musik der Bewohner Paraguai's ist sehr eintönig, und beinahe alle Gesänge geben nach der nämlichen Weise, und werden mit der Guitarre begleitet, die Jedermann (wenn freilich auch nicht gut) spielt. Die Lieder haben entweder unglückliche Liebe oder Klagen eines Eifersüchtigen zum Gegenstände; Volksgesänge gibt es wenige.
Die Tänze sind schwerfällig und unanmuthig; nur die Verschlinqungen in den spanischen Kvntretänzen sind oft anmuthig. Die Leute, welche zum Tanze spielen, stnd dieselben, welche die Musik in den Kirchen machen, da außer ihnen fast Niemand ein Instrument zu spielen weiß.
Bor der Umwälzung gab es häufig große Bälle; seit derselbe» findet sich aber meist nur der Pöbel dazu ein, da die Großen gestürzt und die Kleinen groß geworden sind. Da die Bewohner Paraguai's den Tanz lieben, bemühen sie sich dazu aus weiter Ferne her. Streit findet selten dabei Statt. Die, welche zu Pferde gekommen, behalten die Sporen an den Füßen, und die Herren tanzen mit dem Hnt auf dem Kopfe, die brennende Zigarre im Munde.
K. tf. B. Hoffman» e Völkerkunde. U. 9

