150 Bewohner Amerikas. Kirchliche Feste zu Rio.
die Neger hämmern eine Variation auf den Kirchenglocken, die Raketen steigen und zerknallen in der Luft; trunken vor Wonne und Freude zieht die lärmende Menge nach Hause in der festen Hoffnung, das; es morgen wieder so kommen werde.
Auch hier wird, wie in allen katholischen Ländern, das Fronleichnamsfest mit der größten Pracht gefeiert. Größer aber noch ist der Pomp, wenn das Fest des Herzens Jesu begangen wird. Dieses hat die ehemalige Königinn von Portugal (die Mutter des Kaisers Dom Pedro) gestiftet, als ste sich in Brasilien aufhielt, und der Papst hat es bestätigt. Bei der Prozession, welche an diesem Festtage Statt findet, darf, bei strengster Bestrafung, kein Angestellter fehlen. Der Kaiser, Dom Pedro, trug mit den ersten Beamteten seines Reiches selbst den Baldachin über r»em Hocbwürdigsten, alle Brüderschaften der Stadt gingen mit ihren Fahnen dem Zuge voran. Als Engel, mit weiß und roth geschmückten Gesichtern, gepuderten Haaren, und mit großen Reifröcken angethan, umgaben die Kinder der Vornehmsten das Allerheiliqste. In den Straßen, durch welche die Prozession sich bewegte, bildeten sämmtliche Soldaten der Besatzung Doppelreihen. Wenn das Allerhciligste erscheint, fallt die Mannschaft auf die Kniee, senkt die Bajonette erdwärts, und sämmtliche Forts- und Kriegsschiffe grüßen donnernd.
Da der heilige Georg, Schutzherr des Reiches, und der heilige Antonius Oberfeldherr von Portugal ist, so verehrt man diese am höchsten. Der heilige Georg wird an seinem Festtage in feierlicher Prozession von der Festung Conceffao abgeholt, und in voller Rüstung auf ein Pferd gesetzt und befestigt, und, von einer Musikbande berittener Neger begleitet, im Siegeszuge durch die Stadt geführt. Wenn des Fest das Oberbefehlshabers, des heiligen Antonius, gefeiert wird, geht die Pulvervcrfchwendung ins Unglaubliche.
Die Feste des heiligen Geistes und der heiligen Anna sind vorzüglich geeignet, die Volksthümlichkeit der Brasilier kennen zu lernen. Das Fest der heiligen Anna ähnelt den Kirchweihfesten des südlichen Deutschlands etwas, und mag als eigenthümlich und bezeichnend hier eine Stelle finden, nach der Schilderung von Weech's. Dieser äußert sich darüber so:
An dem durch die Zeitungen angekündigten Abende versammelte sich allmählig ein bedeutender Theil der Bevölkerung von Rio de Janeiro auf dem Akklamationsplatze, dessen Umfang so groß ist, daß sich wohl hunderttausend Menschen ungehindert auf demselben bewegen konnten. Dort steht die der heiligen Anna gewidmete Kirche, unfern eines schönen, öffentlichen

