154 Bewvhner Amerika'^. Kirchliche Feste zu Nio.
dem Prasseln und Knallen derselben in eine Pulverwolke gebullt, in die Luit. Die übrigen kleinen Judasse werden gleichzeitig losgelassen, und die Strassen sind bald mit den zerrissenen Gliedern der Verrather bedeckt. Ein Theil der harrenden Neger stürzt unter dem Rufe Hallelujah über die Reste des Judas her, und schleppt sie jubelnd durch die Strassen, von den Einwohnern dazu ermuntert; Andere werfen nach den Töpfen und zerschlagen sie, um das zu theilen, was darin ist. Häufig enthalte» dieselben Früchte, Tauben und andere Vogel, zuweilen aber auch Ratten und Mäuse. Der Lärmen in der Stadt ist so ungeheuer, daß ein Fremder, welcher sie zum ersten Male betritt, starke Nerven haben muß, wenn er sich auf den Strassen aushalten will.
Die Religion der Brasilier, wie sie sich bei kirchlichen Feierlichkeiten und religiösen Festen kund gibt, ist mehr Götzendienst, als Gvttesverehrung; wenn man aber bedenkt, auf welch niedriger Bildungsstufe das Volk noch steht, wird man es einigermaßen entschuldigen können.
Taufen und Leichcnbegängnifse.
In Rio de Jaueiro werden die Kinder nur in der Kirche getauft, und zwar auf eine ganz einfache Weise. Die Patben stellen sich vor den Tauf- stein, und werden von, Geistliche» gefragt, welchen Namen das Kind erhalten solle. Der Geistliche fasst die Beine des Kindes mit der linken Hand, und legt dessen Brust auf seine rechte, so daß der Kopf vorauskommt; dann taucht er fast den ganzen Körper unter das geweihte Wasser, macht vor der Stirne, des Kindes das Zeichen des Kreuzes, und die Taufe ist vorüber.
Die Beerdigungen finden in der Kirche Statt. Ist die zu beerdigende Person nicht wohlhabend, so legt man sie in eine länglich viereckige, schwarz ausgeschlagene Kiste ohne Deckel, da nur vornehme und reiche Personen Särge erhalten. Man zieht dieselbe schwarz an, lässt die Füße entblößt, und bindet sowohl diese, als die Hände. Mit dem Begraben wartet man nicht lange, etwa fünf bis sechs Stunden nach dem Sterben.
Die Kiste setzt man auf den Tvdtenwagen; Bekannte begleiten dieselbe, heben sie vor der Kirche herab, und tragen sie in den Tempel auf das Leichengerüst. Die Geistlichen singen das Grablied, während die Begleitenden Wachslichter halten. Ist ein schon benutztes Grab von den Knochen, die es enthält, geleert, wird der Todte in dasselbe hineingelassen.
Da kein Todter langer als 12 Stunden »»beerdigt bleiben darf, mag wohl mancher Scheintodte begraben werden. Mit Armen und Negern

