16 « Bewohner der kanarische» Inseln.
die sie sich von ihren Dienern nachtragen lassen. Kinder und Hunde laufen zur Zeit der Versammlung in der Kirche umher, und nicht nur dadurch, sondern auch durch das fortwährende Geräusch derer, welche kommen und gehen, werden die gestört, welche andächtig sein wollen. An den Festtagen der Heiligen sind immer Jahrmärkte, und so sind Religion und Handel, der Vortheil der Kirche, und das Vergnügen des Volkes mit einander verschmolzen. Auf Tenerife feiert man am zweiten Februar, und am fünfzehnten August zu Kandelaria, einem Bilde der heiligen Jungfrau zu Ehren, berühmte Feste. Am besuchtesten ist das Fest am zweiten Februar, an welchem die Behörden von Laguna und die Geistlichkeit von Tenerife feierliche Prozession halten, welche die Landleute mit Gesang und Tanz eröffnen. Buden und Zelte sind auf dem Platze aufgeschlagen, durch Her- bergen ist für das Unterkommen der vielen Andächtigen und Pilger gesorgt, welche nach Herzenslust schmausen, zechen und tanzen. Das zweite Fest ist das Fest der Ortseinwohner, welchen das ausschliessliche Recht zusteht, das Bild auf den Schultern tragen zu dürfen. Dieses Bild soll die Eigenschaft haben, an Gewicht fortwährend zuzunehmen, je mehr die Tragenden sich mit demselben der Höhle nähern, in der es früher aufbewahrt wurde. Bußübungen und Kasteiungen der Pilger sind nicht selten. Am Abende, vor dem Schlafengehen, werden Gebete hergesagt; zuerst eine Anzahl Ave Maria's, und dann Gebete für die Seelen im Fegefeuer, die der Hausvater allein spricht, und in welche die Anwesenden von Zeit zu Zeit im Chöre einfallen.
Nur in den Pfarrkirchen werden die Kinder getauft. Vor der Hebamme geht der Taufvater mit den Pathen, und noch mit einer Zahl von Freunden und Verwandten. Das Kind wird so herausgeputzt, wie es den Ältern nur immer möglich ist. Das Verhältniß der Gevatterschaft wird von der Kirche als eine Art Blutsverwandtschaft angesehen; denn wenn ein Mann die Pathinn seines Kindes heirathen will, muß er Dispensation dazu haben. Bei den mittlern und niedern Ständen finden die Trauungen am frühen Morgen, in der Kirche, Statt. Das Pferd, auf welchem die Braut in die Kirche reitet, ist mit bunten Teppichen geschmückt, und wird vom Bräutigam am Zügel geführt. Am nächsten Sonntage steht es schon etwas anders, da reitet der junge Ehemann auf dem Pferde nach der Kirche, und die Frau sitzt hinter ihm auf. Am Abende feiert man die Hochzeit mit Gesang und Tanz. Vornehme Personen traut man am Abende, im älter- lichen Hause der Braut. Aberglaube herrscht unter den niedern Volks- klaffen noch stark; sie glauben an Vorbedeutungen, Geister und Hexen, und

