168 Bewohner der kanarischen Inseln.

hätte brennen sehen. Solche Arznei ist theuer, denn der Topf kostet einen, und die Anstrengung des Seelenbanners drei Piaster. Reliquien, Amulete, und geweihte Münzen sind ebenfalls untrügliche Mittel gegen Unglück und Krankheit; deßwegen ist Jedermann vom gemeinen Volke damit versehen. Wahrsagerinnen, Quacksalber und noch viele andere Beförderer des Aber­glaubens sind in hinreichender Anzahl vorhanden.

Einige besondere Gebräuche.

Allgemein ist es, daß die Weiber alle Lasten auf dem Kopfe tragen, und die, welche sich mit Handarbeit beschäftigen (die höheren Stände nicht ausgenommen), kauern auf dem Boden mit untergeschlagenen Beinen.

Die Kinder werden zwei, auch drei Jahre gesäugt, und, wie in einigen Theilen Afrika's, auf der linken Hüfte getragen, auf der sie beinahe reitend sitzen, wobei ihnen der umfangende Arm der Mutter als Lehne dient. Kinder, welche ihre Mutter im Wochenbette verloren haben, hält man un­ter die Euter der Schafe oder Ziegen, und läßt sie so groß säugen.

Nur Kinder dürfen auf den Mund küssen; die andern Personen um­armen sich, wenn sie nicht unter vier Augen sind, ohne sich zu küssen.

Beide Geschlechter, sowohl Vornehme als Geringe, legen sich im Som­mer nackt in's Bett.

Das Rauchen und Schnupfen ist allgemein bei Greisen und Kindern, Männern und Weibern, Reichen und Armen; besonders schnupfen die Frauenzimmer aller Stände, während Knaben und Männer die Reisenden um ein Endchen von einer Cigarre bitten, das der Angesprochene noch im Munde hat. Die Weiber bitten, um Gottcswillen, um einige Pfennige zu Schnupftaback. Überall raucht man Taback aus sehr kleinen, hölzernen, mit Blei ausgefütterten, Pfeifen, oder in Papier eingewickelt. Die Vornehmen rauchen Havannah-Zigarren. Das Rauchen wird so leidenschaftlich getrie­ben, daß Viele lieber ihr Mittagessen, als ihre Zigarre oder Pfeife, lassen.

Häusliches und geselliges Leben.

Die höheren Stände führen ein anderes häusliches Leben, als die Deutschen es gewohnt sind. Sie suchen Glück und Freude nicht im Hause und im Familienkreise, schaffen sich keine eigene kleine Welt im eigenen Besitzthume, und im Vereine mit ihren nächsten Angehörigen. Männer und Frauen bekümmern sich sehr wenig um einander; jeder Theil lebt nach seinem Belieben für sich, thut, was er mag. Mann und Frau sieht man, ausser und