gene Stellung, und den Unsinn, den sie anhören müssen, nicht zu beneiden. Da die Leute nichts Besseres kennen, fügen sie sich um so leichter, und ha­ben auf jeden Fall so viel gewonnen, daß sie der Langenweile auf einige Zeit entflohen sind. Die Prozessionen gehören ebenfalls zu den Vergnü­gungen , und es finden deren fast bei jedem Feste Statt. Das Haupt der

Bewohner der kanarischen Inseln. 173

Die Damen werden nach Hanse begleitet. Der Begleitende geht aber nicht mit hinein, wenn nicht gerade Abendgesellschaft dort ist. Kirchen und Feierlichkeiten bieten sowohl bei Tage als bei Nacht, für Personen jedes Standes, jedes Alters und Geschlechtes Gelegenheit zu geselliger Unterhal­tung. Alte Leute gehen in die Kirche, weil sie es schon lange so gewohnt sind, oder weil sie Langeweile haben, oder Sündenvergebung dadurch zu erlangen hoffen. Bei den jungen Leut?n sucht man Andacht vergebens, und Religionseifer kennen sie nicht; sie gehe» in die Kirche, um zu sehen, und um gesehen zu werden. Der Gottesdienst besteht hier meist aus leeren Zeremonien, welche durch die ewige Wiederholung ihre Wirkung um so leichter verlieren, da keine Kirchenmusik sie unterstützt. Dazu kommt noch, daß nur ein sehr kleiner Theil der Zuhörer die lateinische Sprache, in wel­cher der Gottesdienst gehalten wird, kennt. Stühle und Bänke sind in den Kirchen nicht, und die armen Schönen kauern Stunden lang am Boden auf den harten Steinen, mit übereinandergeschlagenen Beinen. Kömmt nun der Fall vor, daß ein unwissender Mensch viel dummes Zeug von der Kanzel herunterspricht, so sind die armen Frauenzimmer um diese gezwun-

Prozession ist fast stets ein reicher ober mächtiger Gönner der Geistlichkeit, welche demselben diese Ehrenstelle ertheilt, weil er der Kirche entweder schon Dienste geleistet hat, oder zu hoffen ist, daß er ihr einst welche leisten werde.

Von den Bällen, welche gewöhnlich am Sonntage vor Weihnachten be­ginnen, sind die meisten öffentlich. Auf diesen Bällen behandelt man sich mit viel Förmlichkeit, tanzt spanische und französische Kontretänze, geht auch sehr langsam, wegen der Hitze. Tanzlehrer gibt es auf den Inseln zwar nicht; da die Damen aber gern und viel tanzen, sind sie doch gute Tänzerinnen. Wenn man kein Orchester hat, tanzt man auch auf den größten Bällen nach dem Fortepiano, welches einige Geiger begleiten. Die Mütter sitzen, während die Töchter tanzen, in langen Reihen an den Wän­den umher. Die älteren Männer halten sich in einem Nebenzimmer auf, rauchen, und versuchen ihr Glück im Zufallspiele. Das Monte ist ein be­sonders beliebtes Spiel. Es besteht in einer Wette, daß eine gegebene Karte vor einer andern vom Bankhalter abgeschlagen werde. Da die Be­wohner der kanarischen Eilande nicht nur diesem Spiele, sondern allen