186 Vewvhner Europa's. Die Spanier.
wenigen Betten in ein Leihhaus: denn fehlen kann er bei dem Spektakel unmöglich.
Auf ein gegebenes Zeichen erscheint ein Reiter, mit einer Lanze bewaffnet; darauf treten die Bandeleros ein, welche den Stier zu reizen, und seinen Angriffen durch ihre Gewandtheit auszuweichen suchen. Der Pika- dor stellt nch dem Stiere gegenüber, und erwartet denselben mit aufgehobener Lanze; er sucht dem Anlaufe kurz und geschickt auszuweichen, und das Thier an der Stelle zu treffen, an welcher der Rücken aufhört, und der Nacken beginnt. Die Lanze dringt oft tief in den Körper, und bricht zuweilen ab. Stürzt dann der Stier sogleich zu Boden, und wühlt mit Hörnern und Füßen, fährt ihm der blutige Schaum zum Munde heraus, so jubeln und gebärden sich die Zuschauer, als ob sie den Verstand verloren hätten. Die Frauenzimmer sind mit ganzer Seele bei dem Feste, und ihre vielen Stimmen hört man vor Allen heraus. Der Ochsenbesieger tritt dann unter rauschendem Beifalle, und mit einer Grandezza, ab, als ob er einige Dutzend große Schlachten gewonnen hätte.
So kommen oft mehre Stiere nach einander auf den Kampfplatz, von welchen die Matadores einen Theil zu Fuß mit einem breiten Schwerte tödten, der andere Theil nur gehetzt und bis zur Erschöpfung ermüdet wird.
Turniere.
Von den Turnieren der Ritterzeit hat sich in Spanien noch ein Überbleibsel erhalten. Adelige haben sich zu Rittertruppen verbunden, besitzen ihre bestimmten Uniformen, und haben ihre besonderen Offiziere. Sie verrichten keine öffentlichen Dienste, und treten nicht in den Staatsdienst. Mitglied kann nur der werden, der mindestens vier Ahnen hat. Der Her- mano Major (derLieutenant) ist gewöhnlich ein Mitglied der königlichen Familie; außer demselben sind mehre Offiziere, ein Fiskal, zwei Zeugen, ein Sekretär, ein Almosenier, als von und aus der Gesellschaft erwählte Beamtete, angestellt. Eine Kanzlei und eine Kapelle, welche bei den Festen Musik zu machen hat, stehen im Dienste dieser Verbindung. Die Mae- stranza hat vier Schwadronen, deren jede ein Ritter befehligt, welcher Quadrillero heißt. Jährlich werden drei Feste gefeiert: die Namenstage des Königs und der Königinn (vorausgesetzt, daß das Land beide Personen habe), und der Namenstag des Lieutenants. Für die Zuschauer wird auf einem geräumigen Platze eine Brustwehr errichtet, und für die Damen macht man schön verzierte Gallerieen. Die Kampfrichter erscheinen unter Musik, und wenn sie Alles in Ordnung gefunden haben, geleiten sie

