Bewohner Europa'6. Die Katalonier. 20 l

tritt an die Stelle der Trauer, erheitert sind alle Gesichter, fürchterlich lärmen und toben Pöbel und Kinder durch die Straßen. Da wird getrom­melt und gejauchzt, und wer irgend ein Feuergewehr erwischen kann, knallt in die Luft, so lange er Pulver hat. In den Straßen, durch welche die feierlichen Prozessionen ihren Weg nehmen, sind die Häuser von oben bis unten mit seidenen Tüchern behängt. Von den Balkönen werfen die Frauen kleine Heiligenbilder unter die Knaben, während die Betfahrt an­dächtig langsamen Schrittes die Gaffen durchzieht. Die Kaffeehäuser wer­den wieder lebendig und füllen sich, die Schauspielhäuser sind geöffnet, und laden für die ertragenen Entbehrungen zu neuem Genusse ein. Die Hals­tücher und Schleier der Damen verschwinden wieder. DcS Fandangv's bezaubernde Töne hört man am Abende von allen Seiten her, die Guitar­ren klingen vor den Fenstern, und die frühere Lust und Fröhlichkeit ist wieder heimgekehrt.

Kleidung.

Auf die Kleidung des Kataloniers hat Frankreichs Nähe mächtigen Einfluß, und es unterscheidet sich dieselbe bedeutend von der Tracht der übrigen Spanier. Die Maulthiertreiber und Fischer in Katalonien haben kurze, enge Jacken von braunem Manchester oder schwarzem Sammt, weite Beinkleider, eine rothe Binde um den Leib, und eine rothe Mütze, welche so hoch ist, daß der obere, mit einer Quaste versehene, Theil auf die Schul­ter herabfällt. Die Redezilla wird unter der Mütze getragen, und hier bedient sich auch das weibliche Geschlecht der mittlern Klaffe und des Land­manns derselben. In den Ohren trägt man Ringe mit Steinen. Die Mgdchen vom Lande tragen Röcke von schwarzem Seidcnzeuge, welche über einer Wulst hangen, die rings um die Hüften angebracht ist. Die Schultern sind bloß, der schwarze Schleier ist mit bunten Bändern be­festigt, die Schuhe haben keine Absätze. Im Gebirge tragen die Landleute eine Weste ohne Ärmel, und über derselben eine kleine, kürzere Jacke, welche nahe an einander stehende, ovale Knöpfe hat, und deren enge Ärmel bis an das Handgelenk mit ähnlichen Knöpfen zugemacht sind. Der blaue oder rothe, wollene, lange und breite Gürtel reicht mehre Male um den Leib. Die Beinkleider sind gewöhnlich von Leder, ohne Bänder und Knöpfe. Häufig geht man barfuß, oder trägt lederne Kamaschen, welche mit kleinen Riemen befestigt sind. Bei denen, welche wollene Strümpfe tragen, reichen dieselben nicht über die Knöchel herab, und die aus Stricken gemachten Schuhe bedecken bloß die Spitzen der Zehen. Vcrmöqlichere Leute haben