Bewohner Europas. Bewohner Valencia's. 203
sich zu verschaffen vermag, sorgt er nicht für den andern Tag; sein leichtes Blut rollt schnell durch die Adern, nnd wo Freude ihm lächelt, überläßt er sich ihr; unter Sang, Tanz und Scherz verrichtet er seine Arbeit. Immer steht er munter und fröhlich aus, er mag zu Hause, oder in der Kirche, auf der Straße, oder allein sei». Selbst die Kirchenfeste dienen ihm zur Unterhaltung. Muß er, so kann er auch ernsthaft sein; wenn's aber nicht nöthig ist, ist er fröhlich. Die Frauen dieses Landstriches sind sanft und liebenswürdig, und gehören zu den schönsten Spaniens. In ihren ganzen Wesen liegt etwas Bezauberndes. 2» Valencia selbst, und auch in andern Städten, sind die Schönen in steter Bewegung. Bald lustwandeln sie durch die Straßen, tanzen von einem Lade» in den andern, um sich anzusehen, was dort zu verkaufen ist, besuchen Kirche» oder Stationen, damit sie nur eine Ausflucht haben, ausgehen zu können, und auf den besuchtesten Plätzen erscheinen sie in einem Tage einige Male; denn sie wissen ihren Weg stets so einzurichten, daß er über einen solchen Platz führt, wenn der Umweg auch ein Bischen weit wäre. An Aberglauben fehlt es Valencia's Bewohnern nicht. Für alle Bitten, für alle möglichen Unfälle des Lebens haben sie eigene Heilige. Jeder Bewohner dieses Landes hat für sich und seine Maulthiere einen Heiligen als Patron, dessen Bild er bei sich trägt. Geht es ihm gut, so geht es dem Heiligen auch gut; begegnet ihm oder den Deinigen aber ein Unglück, dann geht es dem Heiligen oft übel, und er wird oft schrecklich gemißhandelt, zum Teufel und in die Hölle hineinge« wünscht, zuweilen sogar auf den Boden geworfen, und mit den Füßen in Stücke getreten.
Gegen das Behexen mit den Augen <Mal de Ojos) helfen vorzüglich kleine, elfenbeinerne Hände, Maulwurfspfoten und Scharlachbüschel, welche man als Amulete bei sich trägt. Damit dem Landmanne sein Geld nicht durchgehe, sucht er Hexenpfennige zu bekommen, die er als Wächter seiner Baarschaft auf das Sorgfältigste aufbewahrt. An verborgen gehaltene Schätze glaubt man von den Zeiten der Mauren her noch stark: denn die Mauren sollen bei ihrer Vertreibung viele Millionen an Gold und Silber vergraben, und Goldbergwerke, die ihnen bekannt gewesen, verschüttet haben. Daher erscheinen in den alten Schachten der Gebirge zu Zeiten verschleierte Jungfrauen, und geharnischte Ritter. In den alten Olivenhainen treffen hin und wieder Zwerge, mit einem silbernen Hörne, ein, und Tauben, mit goldenen Schlüsseln, lassen sich daselbst sehen. In den Klüften der Gebirge hört man die Bergmännchen hämmern, in den Trümmern alter Burgen wird Gold gemünzt, und auf alte» maurischen Gräbern brennen Flamme».

