Bewohner Europa's. Bewohner Vaicncin' 6 . 2 tt 5
Chorhemd und Chormantel bei der heiligen Dreieinigkeit. Am Karfreitage ziehen fünf Prozessionen hinter einander von Kirche zu Kirche. Wenn gar der Fronleichnamstag erscheint, so ziehen schon am Tage vorher vermummte Personen unter gewaltigem Lärmen und Getöse von Trommeln, Dulzainas und Trompeten durch die Strassen, und verkünden die hohe Feierlichkeit des folgenden Tages. Besessenen gleich, stürzen verkleidete Juden, mit Säbeln, Schwertern und Messern bewaffnet, durch die Straßen, suchen das Kristkinb auf, um es auf Herodes Befehl zu ermorden, während von der andcrn Seite Maria auf dem Esel mit dem Kri'stkinde kommt, und unter Josefs Begleitung in vollem Trabe durch die Straßen reitet.
Am isten April ist das Fest des Schutzpatrons von Valencia, das Fest des heiligen Vinzent. In der St. Stcfani-Kirche ist dann ein Theater errichtet, auf welchem 20 lebensgroße Puppen erscheinen. Hier wird der Heilige dann getauft, und zwar drei Tage hinter einander, damit die her- zuströmende Menge sich recht satt daran sehen könne. In den Straßen werden dann viele große und kleine Altäre errichtet, und bei jedem einzelnen ist ein Mustkchor. Marionetten stelle» die Wunder jedes betreffenden Heiligen dar. Die Straßen bestreut man mit Blumen, die Balköne werden mit reichen Teppichen bedeckt, und die Wände der Häuser mit Tapeten und Gemälden geschmückt.
Am l 8 ten April, Mittags 12 Uhr, verkünden alle Glocken der Stadt den Anfang des Festes. Vier Trommler, acht Männer mit Tamburinen, und »2 mit Dulzainas, durchziehen die Straßen, und lärmen fürchterlich. Nur wenn diese Tonkünstler müde sind, ruht im Laufe der drei Tage die Musik. In der Nacht wird ganz Valencia beleuchtet, und in den beiden folgenden Nächten ebenfalls. Ist der Festtag selbst gekommen, so fangen, auf den Altären in den Straße», die theatralischen Vorstellungen an. Da kann man sehen, wie ein Heiliger durch den Segen dem stürmenden Meere Schweigen gebietet, damit die mit Getreide beladenen Schiffe sicher in Va- lencia's Hafen einlaufen können. Ein anderer Heiliger erweckt den betrüb, ten Ältern ihre gestorbenen Kinder von den Todten. Am dritten Orte stürzt sich ein rasender Stier unter die erschrockene Menge, eine Mutter, welche ihre Kinder retten will, ist zurückgeblieben, der wüthende Stier hat sie eingeholt, und will gerade ihre Kleinen mit den Hörnern in die Luft schleudern, als der Heilige erscheint, das Zeichen des heiligen Kreuzes macht, und die Wuth des Stieres sogleich bezähmt ist. Diese Vorstellungen werden, wie es auch bei Polichinellbuden der Fall ist, öfter während des Festes wiederholt, selbst bei den Nächten, welche man durch die vielen Lichter in

