218 Bewohner Europa's. Bewohner von Estremadura.
das Fleisch erhält; die Wolle der Schafe aber gehört dem Herrn. Z» Ende Aprils, oder Anfang Mai's, fängt die Wanderung nach Kastiliens Gebirgen an; doch ziehen auch einige Herden bis nach Viscaya, Navarra und Aragon. Sobald der Mayoral an dem Orte seines Sommeraufenthaltes angekommen, ist seine erste Sorge, den Schafen Salz genug zum Lecken zu geben. Der Oberhirt erhält auf ein Schaf 2V2 Pfund, oder auf 1000 Schafe 25 Zentner, Salz für die Dauer der 5 Sommermonate. In einer Entfernung von s Sckritten von einander legt man 50—80 flache Steine hin, bestreut dieselben mit Salz, und treibt die Herde langsam hindurch. Wenn dieses geschieht, sucht man besonders für die Tage thonigen Grund als Waideboden auf. In den letzten Tagen des Juli läßt mau s—s Widder zu roo Schafen; außer dieser Zeit werden die Widder abgesondert. Gegen Ende des Septembermonats fängt der Zug nach den südlichen Gegenden an, und die Herden kehren fast immer in die Ebenen zurück, in welchen sie den letzten Winter zugebracht haben. Da die Schafe hier die meisten Jungen geworfen haben, scheinen sie den Ort durch den Geruch wieder zu erkennen, und lassen sich von demselben nicht weiter treiben. Die Ufer des Tajo und der Guadiana, so wie die Umgegend von Truxillo, sind dann mit Schafen bedeckt, welche dann ein schmutziges Ansehen haben, weil man ihnen in der Mitte des Septembers den Rücken und die Seiten mit Ockererde, (die im Wasser aufgelöst worden,) eingerieben hat. In den nackten Gegenden sieht man dann einzelne Hütten aus Baumzweigcn, welche mit Erde bedeckt sind, und Hürden (Zarros), in welchen die Schafe übernachten. Die Sckäfer haben das Recht, sowohl zum Bau ihrer Hütten, als zu der benvthig- ten Feuerung von jedem Baume einen Zweig abzuhauen. Die Hirten der Merino's haben von der Sonne verbrannte, finstere Gesichter. Bon ihren Schafpelzen ist die Wolle nach außen gekehrt, und die Mantel, welche sie über denselben tragen, sind, wie die Mützen, von brauner Farbe; dazu haben sie alte, rostige Flinten. Da diese Leute auf den Waiden häufig Kaninchen erlegen, verhandeln sie dieselben an die Reisenden. Die Lammzeit trifft bald nach der Ankunft auf der Winterwaide ein; die tragenden Schafe, und die, welche schon gelammt haben, erhalten die beste Waide, und damit die spätesten Lämmer für die nächste Wanderung erstarken mögen, werden ihnen die fettesten Triften angewiesen. Wenn sich die Zeit zum Abzüge nach den Gebirgen nähert, bemerkt man unter den Schafen Unruhe, und sie entlaufen nicht selten des Nachts, wenn man sie nicht gut verwahrt; wählen dabei zugleich den geradesten, mithin kürzesten Weg zur Sommerwaide. Wenn die Witterung es gestattet, fängt die Schur (blsnuil»)

