Bewohner Europa'ü. Bewohner von Menorka. 225
zusammengebunden sind. Der kurze Rock reicht nur bis auf die halben Schenkel herab. An Sonn- und Festtagen wird ein schwarzer Mantel mit einer Kapuze getragen. Um den Hals haben die Männer einen weiten Kragen, welcher in Falten gelegt ist, und auf dem Kopfe einen großen Hut, der an zwei Seiten aufgeschlagen ist. Alle Kleider der Frauenzimmer, von den höchsten bis zu den niedrigsten, sind dem Schnitte nach gleich, und unterscheiden sich nur durch den Stoff.
Dewohner von Menorka.
Die Bewohner von Menorka sind dem ersten Anscheine nach gegen Fremde zuvorkommend, geschmeidig und höflich; wenn aber das erste Zusammentreffen vorüber ist, ziehen sie sich wieder in ihre Abgeschiedenheit zurück, leben in ihrer Einsamkeit fort, und treten mit dem Fremden in keine nähere Verbindung. Diese Leule kennen und lieben nur ihr Heimat- ländchen, kümmern sich um Europa's politische Angelegenheiten nicht, und selbst die Zustände Spaniens sind ihnen sehr gleichgiltig. Ihnen ist es einerlei, wer sie beherrscht, wenn nur die gewohnte Einrichtung ihres Länd- chens unangefochten bleibt. Obgleich mitten im Meere liegend, kommen ihre Schiffe doch nicht über das mittelländische Meer hinaus. Mit den Bewohnern Mallorka's stehen sie auf keinem freundschaftlichen Fuße; sie sind zänkisch, jähzornig, und rachsüchtig, im Glücke aufgeblasen und stolz, in der Noth kriechend. Die Stände leben auf dieser Insel scharf von einander geschieden, ein jeder für sich. Der Adelige sieht mit Verachtung auf den Kaufmann und Schiffer; diese halten sich wieder für viel höher, als die Künstler und Landleute. Die Vergnügungen tragen den Stempel der Schwerfälligkeit. Bei ihnen erscheint der Fandango, welchen sie zu einer übelgestimmten Guitarre tanzen, nicht so leben- und lusterregend, als auf dem spanischen Fcstlande. Der Aberglaube ist durch alle Stände verbreitet, und die Prozessionen werden sehr besucht. Die Todten werden, wie im größten Theile von Spanien, in Mönchs- oder Nvnnentracht begraben, und an die Begräbnißstelle in einem unbedeckten Sarge getragen. In jedem Kirchspiele ist ein Gemeindesarg, welcher allen Sterbenden zum letzten Wege dient. Die Gottesäcker sind außerhalb der Ortschaften. Nur Reiche, welche viel Gebühren bezahlen, werden bei Tag in den Kirchen begraben, in der Nacht aber vom Todtengräber wieder herausgescharrt, und nach dem allgemeinen Friedhofe gebracht.
K. F. V. Hoffmann's Völkerkunde. II.

