Bewohner Europa's. Bewohner Portugals. 233

bewacht, auszugehen, weßhalb es zugänglicher alS sonst ist. Dieser sehr große Marktplatz, welcher von gut gebauten Häusern umgeben, und mit regelmäßig aufgeputzten Buden beseht ist, ist am Morgen dieses Tages beleuchtet, und an verschiedenen Stellen desselben sind Musikköre vertheilt, welche Werke portugiessscher Meister aufführen. In den Buden sind Blu­men und Obst sehr zierlich aufgeschichtet. Die jungen Herren wählen davon das Vorzüglichste aus, um die ihnen bekannten Schönen zu beschenken, was zu thun Jedermann erlaubt ist, welcher sich einer Bude nähert, an der gerade junge Frauenzimmer ohne männliche Begleitung sich befinden. Wenn es ganz Tag ist, gehen die meisten Personen nach dem öffentlichen Spazier- gange, wo sie eine Stunde auf und nieder wandeln, und dann nach Hause zurückkehren. Das weibliche Geschlecht benimmt sich bei dieser Gelegenheit durchgehends sittsam, und weiß die Zudringlichen mit Feinheit und Würde zu entfernen.

Am Vormittage ist in allen Kirchen feierlicher Gottesdienst. Die Geistlichkeit hält die religiösen Feierlichkeiten mit großem Pompe und An­staube; die versammelte Gemeinde beweist aber eben keine große Aufmerk­samkeit-

Eine Prozession in Lissabon.

Auch in Portugal sind die Prozessionen Feste, an welchen das Volk sich des Lebens freut. Zu einer großen Prozession vereinigen sich die Men­schen aller Orden, die Straßen sind mit Blumen bestreut, die festlich ge­schmückten, mit kostbaren Teppichen, seidenen Tapete» behängten Balköne mit Personen beider Geschlechter überfüllt. Musikbanden der verschiedenen Regimenter eröffnen den Zug mit munterer Musik; darauf folgen die Bruderschaften, welche in seidenen Überröcken ohne Ärmel gekleidet sind, und große, brennende Wachslichter tragen. Diesen folgen einige hundert Mönche, in ihren mannigfaltigen Ordenstrachten, und endlich Kinder mit gepuderten Haaren, welchen man Flügel am Rücken befestigt und blaue seidene Reifröcke angezogen hat, damit sie Engel vorstellen sollen, und pos­sierlich einherschreiten können. Diesen Engeln folgt die Monstranz, von feierlichem Pomp umgeben, und in eine Rauchwolke eingehüllt. Sie ist aus gediegenem Golde, und mit viel herrlichen Edelsteinen beseht, daß das Feuer derselben alle Blicke blendet. Einige tausend Mönche und Mitglieder der Brüderschaften folgen darauf, und eine starke Abtheilung Mililitär, welche die Kopfbedeckung in der Hand trägt, schließt den langen Zug. Andacht nimmt man bei solchem Zuge nicht wahr. Niemand betet,