Bewohner Europa's. Bewohner Portugals. 235
Kapital zu erwerben, mit welchem sie zu ihren Familien zurückkehren, um sich daselbst häuslich niederzulassen.
Unreinlichkeit in Lissabon.
Portugals Hauptstadt gewährt, besonders vom mächtigen Strom aus gesehen, einen herrlichen, Viel versprechenden Anblick, wenn man aber die Stadt in verschiedenen Richtungen durchwandert, kann man sie nicht schön nennen, obgleich sie einige schöne Gebäude und öffentliche Plätze hat. Die langen Straßen sind schmal, die meisten Häuser sind 4—5 Stock hoch. Wenn aber auch Lissabon die schönste Stadt der Erde wäre, möchte man doch, mit Ausnahme der wenigen neu erbauten Straßen, nicht gern lange dort weilen, indem die dort herrschende Unreinlichkeit jede Vorstellung übertrifft. Zu allen Stunden wirft man Kehricht, die Überbleibsel der Speisen, und andere Gegenstände, welche den höchsten Eckel erregen, auf die Straßen. Es ist ein Glück, daß die herrenlosen Hunde, deren Anzahl man auf mehre Tausend schätzt, zum Theil das Aufräumen übernehmen. Die Glut der Sonne trocknet die sich aufthürmenden Kothhaufen, welche durch die Fußtritte der Menschen und Thiere in den feinsten Staub verwandelt werden, den der sanfteste Wind in die Höhe treibt, so das; die Fahrenden und Gebenden mit Ersticken bedroht werden. Geht man im Juli, wenn der Seewind weht, über die Straße, muß man sich wieder umkleiden, und wenn man die Fenster einige Minuten offen läßt, sind alle Zimmergeräthe mit dem cckelhaftesten Staube bedeckt. Als die Franzosen in Portugal waren, ergriffen sie kräftige Maßregeln, die Straßen zu säubern, und es war damals in Lissabon so reinlich, als in anderen großen Hauptstädten Europa's; nach ihrem Abzüge aber hat sich die alte Unreinlichkeit, welche Portugals Bewohnern zur andern Natur geworden, sogleich wieder eingestellt; die Straßen füllten sich wieder mit Koth, und in wenigen Monaten war die Stadt wieder in eine Kloake verwandelt.
Sonn- und Feiertage ausgenommen, sieht man in Lissabon, zu allen Stunden des Tages, nur Leute aus den untersten Volksklaffen auf den Straßen, weil Portugals Bewohner nur dann ausgehen, wenn sie höchst dringende Geschäfte abzumachen haben, oder wenn sie die Kirchen besuchen. Aus den angegebenen Ursachen ist freilich das Vergnügen, in den Straßen Lissabons zu lustwandeln, eben nicht groß; doch würden die Portugalen, welche wahrscheinlich keinen guten Geruch haben, den Schmutz und Staub nicht so sehr scheuen, als das Auf- und Absteigen der Hügel, auf welchen die Stadt gebaut ist. Obgleich der öffentliche Garte» fast in der Mitte

