242 Bewohner Europa's. Bewohner der Insel Sardinien.

sich durch große geistige Lebendigkeit bemerkbar; sie sind im Ganzen sehr gute Hausfrauen, führen ihre Wirthschaft sehr gut, und könne» in ihrem Betragen als Muster dienen.

Für französische Tänze und Moden sind sie ausierordentlich eingenom- men, und tanzen zum Erstaunen. Den Moden jagen sie so sehr nach, daß die Ausgaben für dieselben nicht immer im richtigen Verhältniße mit ihren Einnahmen stehen.

Die Frauenzimmer der untersten Volksklaffe, sowohl die Städterinnen als die Bäuerinnen, können weder lesen noch schreiben. Ihre Hauptbeschäf­tigung ist das Brodbacken. In den Strichen, wo sie arbeitsam sind, spin­nen sie Flachs und Wolle, und weben Leinwand und Zeug zu ihrer Klei­dung. Im Allgemeinen treiben sie keinen Feldbau, sondern sind fast immer im Umkreise ihrer Wohnung beschäftigt. In Tanzlust und in Putzsucht stehen sie den höheren Klassen nicht nach. Der Volkstanz ist für sie der angenehmste Zeitvertreib.

Die Bewohnerinnen abgelegener Dörfer verbergen sich bei Annähe­rung von Fremden; die Frauenzimmer besuchterer Gegenden aber sind weniger zurückhaltend, ohne daß ihre Bescheidenheit dadurch beeinträchtigt würde.

Sprache.

Die Sprache der Sarden hat mehre Mundarten, welche sich auf zwei zurückführen lassen, nämlich auf die von Cagliari und auf die von Logudoro. Da diese Sprache zu den romanischen gehört, kann man sie in mancher Beziehung unter die italischen Sprachweisen rechnen.

Sie ist wohlklingender als das Piemontesische, Genuesische, Mailändische und die andern Mundarten des nördlichen Italiens. Sie nähert sich dem Sizilischen, Neapel'schen und Römischen.

Alle Wörter der sardischen Sprache endigen sich entweder auf Vokale, oder auf einen von den Buchstaben s und t. Wenn gleich auch im Sardi- . Nischen mehr Wörter aus der lateinischen Sprache beibehalten sind, als in allen andern romanischen Sprachen, ist doch die lateinische Grammatik nirgend weniger beibehalten, als hier. Bei den Zeitwörtern gibt es nur Formen für die gegenwärtige und die jüngstvergangene Zeit, alle übrigen Abstufungen werden mit Zuziehung von Hilfszeitwörtern gebildet. Die zu­künftige Zeit wird mit dem Hilfszeitworte haben gebildet. Man sagt: Kap' a scliri, ich habe zu schreiben, Kap' a liggiri, ich habe zu lesen; dieses heißt aber: ich werde schreiben und ich werde lesen.