284 Bewohner Europü's. Wasserverkäufer in Palermo.
sie Ursache hätten, sich je zu beklagen. Man findet Lazzaroni, die in Häusern schon 20 Jahre zur vollen Zufriedenheit dienten. Während man in manchen italischen Städten der Unverschämtheit der untern Volksklaffe nie genügen kann, sind die Lazzaroni mit einem angemessenen Lohne zufrieden, wenn man sich ihrer als Lastträger bedient. Gibt man in mehren andern großen Städten Italiens einem Kerl ein Felleisen oder einen Tornister zu tragen, so keucht er oft so fürchterlich, als ob er schwindsüchtig werden, und unter der unbedeutenden Last alle Augenblicke seinen Geist aufgeben wollte. Durch Angstrufe, wie: „Heiliger Gott, welche ungeheure Last!" oder: „welche grausame Anstrengung!" will er seinen Lohn um einige Prozente erhöhen. Diese und ähnliche Teufeleien kennt der rohe Lazzarone nicht, und wenn man ihn immer etwas im Auge behält, ist man vortrefflich durch ihn bedient.
Sind diese Leute auch im Durchschnitte gegen einzelne Bekannte und solche, welche gut mit ihnen umgehen, treu, so sind sie dagegen auch alle Augenblicke bereit, alle ehrlichen Leute, wie sie sich ausdrücken, um des heiligen Glaubens willen, ein Bischen umzubringen; da, wo man es verlangt, etwas Feuer anzulegen, uud wo sich ihnen Gelegenheit bietet, zu rauben und zu stehlen. Wenn der Vesuv zu speien beginnt, oder der Thron eine Erschütterung erleidet, dann ist diese Volksmasse für Neapel immer sehr fürchterlich.
Die Lebhaftigkeit dieser Volksklaffe ist außerordentlich. Jedem Dinge legen sie eine Seele bei, und verfluchen so die Seelen des Brodes, des Tisches, der Zitronen, und zuweilen auch die ihrer Ältern, und sogar Kristi.
Wafferverkäüfer in Palermo.
Im südlichen Italien kann man, wie in den südlichen Gegenden der pirenäischen Halbinsel, keinen frischen Trunk Wassers ohne Eis oder Schnee genießen, und es wird deßhalb bei den Tafeln gewöhnlich Eis dargeboten, oder man stellt die Wasserflaschen zwischen Eis. Es ist also das frische Wasser ein Kunsterzeugniß, und wird als solches öffentlich verkauft. In der kleinen Bude sind zu beiden Seiten Zitronen, Apfelsinen, Valencien und andere herrliche Südfrüchte in zierlicher Ordnung aufgehäuft, und dazwischen große Gläser voll Wasser gestellt, in welchen Goldfifchchen umher- schwimmen. Viele kleine Fontänen springen zwischen duftenden Blumen empor, und bei den Wafferbuden athmet man in den heißen Straßen

