294 Bewohner Europa's. Die Scrbier oder Serben.
gebaute cjtbt, die zum Theil aus Steinen, und, wie häufig auf dem Alpen- gebirge, mit Schindeln gedeckt sind. Man findet auch noch Wohnungen, welche keine Zimmer mit Öfen haben, sondern aus Räumen bestehen, in welchen man sich im Winter am Feuer wärmt. Zwei Zimmer hat kein Dorfbewohner in seinem Hause. Meistens leben mehre Familien, zuweilen t bis 5 Ehepaare, in einem Wohngeväude, welches dann so viele Kammern hat, als Ehepaare im Hause sind. Im eigentlichen Wohngebäude ißt man mit einander, und die alten Frauen und Greise schlafen darin; die übrigen schlafen mit ihren Frauen und Kindern in den Kammern, die auch im Winter nicht erwärmt werden. Es gibt aber auch kleine Gehöfte, wo die Häuser von Schlafkammern, Vorrathshütten und Zäunen umgeben sind. Jedem Hause steht ein Oberhaupt vor, welches das Ganze zu verwalten bat, den Dorf- und Distriktsversammlungen beiwohnt, mit Einwilligung der Hausgenossen veräußert, was verkaufbar ist, einhandelt, was man nöthig hat, und Sorge für die Abgaben und für die Kasse trägt. Ist das Gebet zu verrichten, beginnt und beschließt das Oberhaupt dasselbe. Sind Gaste im Hause, was in großen Häusern oft der Fall ist, so unterhält das Oberhaupt sich mit ihnen und speist mit denselben. In einem großen Hause, in welchem viele Leute wohnen, wird zuerst dem Oberhaupte und den Gästen auf demselben Tische aufgetragen; auf einem andern Tische wird das Essen für Kinder und Untergebene gerichtet, und zuletzt essen die Frauen und die Kinder, welche noch nicht auf dem Felde arbeiten. Das Haupt des Hauses ist nicht immer der älteste Bewohner desselben: denn ein alter Vater überträgt diese Würde zuweilen einem jünger» Bruder, oder dem verständigsten von seinen Söhnen und Neffen. Wenn der Fall eintritt, daß der Familien- vorsteher das Hauswesen nicht gut verwaltet, so wird er von den Hausgenossen abgesetzt, und ein anderer an seine Stelle gewählt. In solchen Häusern, in welchen mehre Familien zusammen leben, wechselt die Haushaltung unter den Frauen, und es hat eine jede derselben, wenn die Reihe an sie kommt, für die Hauswirthschaft zu sorgen, und das Essen zu bereiten. Jede einzelne Frau spinnt, webt und macht ihre eigenen, ihres Mannes und ihrer Kinder Kleider nur für sich. Die Frau, auf welcher die Haushaltung ruht, heißt Redara oder Reduscba. Zur Besorgung des Viehes, welches den ganzen Sommer über Einer Person anheimfällt, pflegt man gewöhnlich die Frau des Oberhauptes zu wählen.
Die Stadtbewohner ( Baroschani ) bestehen aus Handwerkern, Bäckern, Schneidern, Kürschnern, Büchsenmachern und Krämern. Diese Leute kleiden sich türkisch, und da sie es früher mit diesen Oberherren des Landes hielten,

