296 Bewohner Eurvpa's. Die Serbier oder Serben.

Serbicr aufziehen, behalten sie nur einen Theil für ihre Haushaltung; alles übrige Vieh, dessen sie nicht bedürfen, verkaufen sie in's Ausland.

Wirthshäuser und Gastfreundschaft.

Schenken und Wirthshäuser trifft man auf dem Lande nur an großen Straßen, an welchen kein Dorf ist. Wenn man reist, bleibt man in dem Dorfe über Nacht, in dessen Nähe man sich beim Einbrechen derselben befindet. Man geht in das größte Haus, und fragt, ob man daselbst blei­ben könne? worauf der Hausherr, oder sonst ein Angehöriger des Hauses, bejahende Antwort gibt, oder sich entschuldigt, ihn nicht aufnehmen zu können, weil es an Heu für das Pferd, oder sonst an Etwas fehle. Dar­auf weist man ihn dahin, wo er die Nacht bleiben kann. Kommen mehre Leute mit einander an, so werden sie in verschiedene Häuser vertheilt, und von den Hausbesitzern gerne als Freunde und Bekannte aufgenommen und bewirther. Fehlt Jemanden, welcher einen Gast hat, irgend etwas Nöthi­ges, so begibt er sich zu seinem Nachbar, oder jemand Anderem, und leihet das zu der Bewirthung des Gastes Nöthige. In großen Häusern gibt es häufig Gäste, und es müssen dieselben den andern Morgen, ehe sie weiter reisen, irgend Etwas genießen. Wenn man sich zur Mittagszeit in der Nähe eines Dorfes befindet, kehrt man ebenfalls daselbst ein, und verlangt Etwas zu essen. Eben so geht man auch in ein Haus, wenn man Wasser trinken, oder gerade seine Pfeife anzünden will. Wenn eine Frau viele Gäste hat, so daß sie zur Besorgung derselben Hilfe bedarf, bittet sie einige Nachbarinnen, die sie dann gerne nicht nur durch thätige Mitwirkung, sondern, wenn es fehlen sollte, mit Nahrungsmitteln unterstützen, und man bemerkt daselbst überall, daß die, welche Etwas haben, gerne davon mittheilen. Wenn der Hauswirth einige Hühner, oder einen Truthahn schlachtet, Lamm- oder Schweinefleisch bereitet, und es ihm an Zeit gebricht, nimmt der nächste Nachbar den Spieß, und dreht ihn. Mann und Frau bereiten das Mahl gemeinschaftlich, während sich die Angesehensten des Dorfes versammeln, die Fremden begrüßen, und Neuigkeiten zu erfahren hoffen. Ist das Essen fertig, so kommt die Hausfrau, hat ein Handtuch über der Schulter, und bietet den Gästen Waschwaffer. Darauf stellt man die niedere, runde Tischplatte an das Fußende der Teppiche, und jeder spricht für sich ein kurzes Gebet. Gäste, Hausherr, und zuweilen auch noch einige Nachbarn kauern, auf türkische Weise, um den Tisch nieder.

Nachdem man sich bekreuzigt, und die übliche Anrede gehalten hat, reicht die Hausfrau ein Glas Rakija, womit der Anfang jedes Mahles