310 Bewohner Enropa's. Die Montenegriner.

mand unschuldig als Dieb betrachtet, oder glaubt ein wirklicher Dieb, au, das Geheimniß oder auf seine starke Familie pochen zu können, so läugnet er. Der Bestohlene erhöht dann die ausgesetzte Summe, und der Ausfin- digmacher wiederholt den Versuch durch seinen Unterhändler. Läugnet der Dieb fortwährend, so tritt der Auskundschafter öffentlich aus, um in Ge­genwart des Diebes seine Aussage zu beweisen. Der überwiesene Ver­brecher muß, außer dem gebräuchlichen Ersähe der gestohlenen Sachen, auch noch die Unkosten bezahlen. Wenn der Angeber seine Aussage nicht zu beweisen vermag, und der als Dieb Angeklagte freigesprochen wird; so muß der Anschuldiger alle Kosten tragen.

Einbruch ist selten, und nicht leicht zu bewerkstelligen, da die Woh­nungen der Ortschaften sehr nahe an einander gebaut, in schwer zugäng­lichen Gegenden angelegt sind, und so der Hilferuf schnell die stets bewaff­neten Nachbaren vereinigt, ohnehin auch Jeder fast immer unter den Waffen, und auf der Hut ist. Obgleich Straßenraub zuweilen vorkommt, ist er doch im Ganzen selten.

Der Senat in Montenegro.

Der mir unbekannte Verfasser der Beschreibnng von Montenegro, welche 1837 in Stuttgart in der I. G. Cvtta'schen Buchhandlung herausgekommen ist, schildert den Senat, S. so, so: Das in europäischen Staaten so viel be­deutende Wort Senat, in seiner Bedeutung und Einrichtung in Montenegro etwas näher zu definiren, möchte hier an seinem Platze sei», obgleich der Leser, mit Rücksicht auf den Kulturzustand dieses Landes, sich keinen gro­ßen, sondern nur einen sehr einfachen Begriff hiervon schon im Voraus machen wird. Etwa 50 Schritte von dem Kloster, steht ein, in länglicher Form, von Stein aufgeführtes Gebäude, ohne Stockwerk, bedeckt mit Stroh dies ist das Senatshaus, und wird gewöhnlich nur kurz »Senat" ge­nannt. Zwei Thüren bilden den Eingang in dasselbe. Tritt man durch die eine derselben, so kommt man in eine Abtheilung, welche Rindvieh und Eseln zur Stallung dient; tritt man durch die andere, so stößt man auf zwei Thüren, welche in Unterabtheilungen leiten. Oeffnet man die rechts, so überblickt man einen Raum, in welchem mehre Bettstellen mit Stroh gefüllt stehen, die den Senatoren zur Nachtruhe dienen, an der Wand hängen ihre Flinten; in jener links sieht man auf der einen Seite neben der Mauer eine steinerne Bank; in der Mitte auf dem Boden be­merkt man den Platz, welcher den Herd vorstellt, und wo Feuer gemacht wird. Um diesen herum werden die Sitzungen gehalten. Hier wird zugleich