318 Bewohner Europa's. Die Mvnlenegriner.
sich einzuschmeicheln, und sind so geschmeidig, nicht zu Widerreden, wenn sie auch die Ansichten Anderer nicht zu theilen vermögen.
Gastfreundschaft ist hier, wie bei den Morlacken und Serbiern, und noch bei vielen andern Völkern, im vollesten Sinne des Wortes heimisch, und es gereicht jedem zur Freude und Ehre, wenn er einen Gast gut bewirthen kann. Fremde werden sehr geachtet, und wenn sie einen Einheimischen wählen, und durch solchen sich führen lassen, dürfen sie vollkommen sicher sein. Es ist nicht zu läugnen, daß die Montenegriner neidisch, geldgierig und bestechlich sind, und einander zu übervortheilen suchen. Dagegen fluchen und schimpfen sie nicht gemein, wie man es wohl anderswo findet.
Gewohnheiten-
Das Tabackrauchen ist in Montenegro allgemein. Sie pflanzen den Taback selbst, rauchen ihn aus großen hölzernen Köpfen durch lange dicke Rohre. Sehr hoch bestraft wird es, jemandem mit dem Pfeifenrohr einen Schlag zu geben: denn der Thäter muß dafür so Dukaten Genugthuung und so Dukaten dem Geschlagenen zahlen, und wenn der Geschlagene ihn im Zorne umbringt, nimmt das Gesetz den Mörder einigermaßen in Schutz. Das Tabackschnupfen ist weniger gebräuchlich, obgleich nicht selten, und die Schnupfer, welche anstatt der Dosen lederne Säckchen haben, bereiten sich ihren Schnupftaback selbst.
Heiratheu.
Die Wahl des Bräutigams und der Braut hängt hier nicht von denen, welche verbunden werden sollen, sondern von den Ältern ab, welche vvr^ zugsweise auf die Familien Rücksicht nehmen, und so oft Menschen zusammenbringen, die sich vorher nicht gekannt, ja nicht einmal gesehen haben. Es kommt sogar vor, daß ganz kleine Kinder mit einander verheirathet werden; wenn aber mehre Töchter in einem Hause sind, ist es nothwendig, daß man sich um die älteste vorhandene, und nicht um eine jüngere bewirbt, was als große Beleidigung aufgenommen werden würde. Wenn einmal die Verlobung geschehen ist, darf kein Theil mehr zurücktreten, weil man ein solches Unternehmen für eine große Schande halten, und höchst übel nehmen und sicherlich rächen würde. Dem griechischen Kirchengebrauche nach sollen die Mägdchen nicht unter 12, die Jünglinge nicht weniger als 14 Jahre alt sein. In Serbien beobachtet man diese Regel zwar, in Montenegro aber hält man sie nicht. Es kommt auch zuweilen vor, daß man

