328 Bewohner Europa'6. Die Morlacken.

der Gebirge. Es sind aber auch die Bewohner in verschiedenen Strichen beträchtlich von einander verschieden. So sind z. B. die Bewohner von Kottar fast alle blond, haben blaue Augen, einen grosien Mund, eine etwas platte Nase, welch' letzteres man fast bei allen Morlacken bemerkt. In der Gegend von Duare und Vergoraz haben sie längliche Gesichter und kastanienbraune Haare, sind von schönem Wüchse, und ihre Haut ist etwas olivenfarbig. Die Morlacken von Kottar haben in ihrem Wesen etwas Höfliches, Angenehmes, und sind sehr gelehrig, die von Vergoraz haben in ihren Manieren etwas Unabhängiges, Kühnes, Übermüthiges und Unbieg- sames. Da sie zwischen unfruchtbaren und fast unzugänglichen Gebirgen wohnen, sind sie an Mangel und Gesetzlosigkeit gewöhnt, und es ist die Raublust mit ihnen gleichsam geboren, und ihnen anerzogen. Oft rauben sie auf Unkosten der Türken; wenn aber Mangel bei ihnen eintritt, schonen sie auch die Kristen nicht. Diese beiden Hauptstämme haben sich vielfältig mit anderen benachbarten zu verschiedenen Zeiten vermischt.

Die ärgsten Räuber in diesen Gegenden werden Hai ducken genannt, welches Wort in Ungarn ganz etwas anderes bezeichnet, indem man in Ungarn darunter die Soldaten der Gespannschaften, Städte und Herrschaf­ten, welche nur zur Wache bestimmt sind, und blos vom Solde leben, so wie die Bewohner der sogenannten sechs Haiduckenstädte in der saboltcher Gespannschaft darunter versteht, welche vom Könige Matthias I. als stehende Soldaten große Freiheiten erhielten, und noch haben, und sich jetzt mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigen.

Die Haiducken in Dalmatien sind, wenn man sich ihnen anvertraut, nicht so sehr zu fürchten, als man gewöhnlich zu glauben pflegt. Richtig ist es, das; diese armen Leute ein Banditcnleben führen, und, wie die Wölfe, zwischen ihren fast unzugänglichen Felsen Herumschweifen, von einem Berg auf den andern klettern, aus der Ferne ihre Nachstellung ablauern, von immerwährendem Argwohne herumgetrieben werden, dem Ungestüme aller Jahreszeiten ausgesetzt, oft der nöthigsten Unterhaltsmittel beraubt, und, um die unentbehrlichsten Lebensmittel zu erhalten, gezwungen sind, das Leben für die Speisen zu wagen, wenn sie nicht in den finstern, öden Berg- höhlen verschmachten wollen. Diese verwilderten Leute pflegen gewöhnlich nnr Vieh zu rauben, und in ihre Höhlen zu schleppen, um sich von dem Fleische zu nähren, und das Fell zu ihren Schuhen zu gebrauchen. Die Haiducken durchstreifen immer die rauhesten Gegenden, wo weder Erde noch Gras die kahlen Felsen bedecken, und so zerreißen sie natürlich viel Schuh- zeug, welches sie dadurch zu ersetzen suchen müssen, daß sie dem armen