354 Bewohner Europa's. Die Griechen.

derselben selbst beobachten. Wechselfieber sollen durch böse Geister veranlaßt werden, und in Folge des Neides entstehen manche andere Krankheiten. Wenn man die Schönheit bewundert, von dem Wohlbefinden eines Men­schen oder der Gesundheit eines Thieres spricht, muß man dazu ausspucken, und Knoblauch dazu sagen, damit die böse Lust vertrieben werde. Um einen Kranken gesund zu machen, schreibt man den Namen der Krankheit auf ein dreieckiges Stück Papier, und heftet dasselbe an den Eingang des Zimmers, in welchem der Kranke liegt. Wenn ein Todter nach dem Fried­hofe getragen wird, zerschlägt man im Trauerhause einen Topf. Wenn einer Karawane ein Hase über den Weg lauft, so macht sie so lange Halt, bis ein Wanderer kömmt, welcher das Thier nicht gesehen, und dadurch die Behexung aufgehoben wird. Wenn man, noch nüchtern, einen Esel schreien hört, oder beim Aufgange der Sonne einem Popen, oder einem Mönche begegnet, so bedeutet dieß, daß einem den Tag ein Unglück widerfahren werde. Die Sonnen- und Mondsfinsterniffe sieht man als unheilbringende Erscheinungen an. Die Zahl fünf ist ebenfalls unheilbringend, und wenn man sie aussprechen muß, verwahrt man sich zugleich, durch eine Formel, gegen die Übeln Folgen. Geschenktes Geld soll Glück bringen; deßhalb kömmt es nicht selten vor, daß ein Vorübergehender von einer Frau, die vor ihrer Thüre beschäftigt sitzt, um eine solche Gabe angesprochen wird. Träume werden für sehr wichtig gehalten, und man legt ihnen die Eigen­schaft bei, daß durch sie die Zukunft enthüllt werde. Junge Mägdchen genießen, nach Vorschrift der Wahrsagerinnen, vor dem Schlafengehen Kuchen von gewissen Kräutern, und hängen sich einen Beutel um den Hals, in welchem drei Blumen, eine weiße, eine rothe und eine gelbe, sind. Er­wacht das Mägdchen, so zieht es eine von diesen Blumen heraus und er­kennt daran, was es für einen Mann bekommen werde. Wenn die gezogene Blume weiß ist, so wird es einen jungen Mann bekommen, ist die Blume roth, so wird sein künftiger Mann schon von reiferem Alter sein, und wenn die gelbe Blume gezogen wird, so wird der Mann ein Wittwer sein. Aus dem Traume derselben Nacht ist zu erkennen, ob der einstige Lebensgefährte liebenswürdig, oder reich sein, oder was er sonst für Eigenschaften besitzen werde.

Am Johannistage gibt es für die jungen Griechinnen andere Orakel, durch welche sie die Zukunft erfahren können. Sie schöpfen Wasser in Krüge, werfen Äpfel hinein, setzen die Krüge dem Morgenthaue aus, und waschen sich mit diesem Wasser, indem sie Sprüche dazu hersagen. Mehre andere nehmen jede einen Korb, legen Blumen, Früchte, Bänder u. s. w.