Bewohner Eurvpa's. Die Gailthaler oder Silauzi. 405
in den Händen; die andere Partei erscheint in grünen Sommerhüten mit Gabeln und Sensen. Die so ausgerüsteten Burschen kommen vor die Häuser der «ermöglichen Bauern und singen Lieder, welche das Lob des Sommers und des Winters enthalten. Nach beendigtem Wettstreite beglückwünscht man den Bauern und die Bäuerinn, und kündigt ihnen ein gutes Jahr an. Sartvri meint im 2ten Bande seiner neuesten Reise S. 3 - 18 , das; dieser Gebrauch nur an den Bergen, welche an die obere Steiermark gränzen, gekannt sei. Der Verfasser hat das Gleiche in Baiern, und zwar in dessen Hauptstadt, von zwei Knaben aufführen sehen, welche abwechselnd, zuerst der Winter, darauf der Sommer, und also am Schlüsse der Sommer zuletzt sangen. Nach beendigtem Gesänge packte der Sommer den Winter, beide Buben rangen mit einander, der Winter unterlag, und der Sommer war Sieger.
Musik.
In Kärnthen findet man Zither und Hackbrett häufig, und die gemeinen Kärnthnerinnen besitzen eine grosse Fertigkeit, ihren Gesang mit dem letztern zu begleiten. Sie fingen Liebeslieder dazu.
Der Dichterwettstreit der Tänzer.
Einer der Tanzenden fingt einige Verse aus dem Stegreife, in welchen er das Lob seiner Geliebten, seine Zuneigung zu ihr, und die Verachtung seiner Nebenbuhler ausspricht. Ein anderer, den es entweder angeht, oder der fich unberufen hineinmischt, fingt eben so viele Verse, um den Gegner zu widerlegen, und sucht ihn durch Witze zu übertreffen, und bei der Gesellschaft lächerlich zu machen. Der Wettgesang währt so lange, bis der Witz beider Kämpfer erschöpft ist.
Das Herabrollen eines brennenden Rades.
Im mittlern Theile Kärnthens versammeln sich am Johannistage die jungen Leute, und bilden zwei Parteien. Sie nehmen ein altes Rad, schleppen es auf eine Anhöhe, und umwinden es daselbst mit Werg (Hedei und dürren Reisern. Sobald die Nacht heranbricht, zündet man das Rad an, und zwei Bursche, welche eine Stange als Achse durch dasselbe gesteckt haben, laufen mit demselben die Anhöhe herab, wo muthwitlige Bauern es aus einander reißen, und sich mit den Feuerbränden herumschlagen. Da die Kleider hierbei entweder geschwärzt oder verbrannt werden, zieht man

