Thee weniger gewürzhaft und schwächer ist. In ganz Rußland findet man Theemaschinen, Samovar (d. h. Selbstkocher) genannt, welche aus Messing oder Kupfer gemacht sind, und gewöhnlich die Gestalt einer Urne haben.
Wollen die gemeinen Russen bei ihrem Theetrinken sich etwas zu Gute thun, so nehmen sie den ganzen Mund voll trockener Rosinen, kauen dieselben etwas, und schlürfen dann den sehr heißen Thee durch sie hindurch. Die Kisten, in welchen der Thee nach Rußland kommt, sind würfelförmig, und die obere, i oder 1V2 Zoll dicke Lage besteht aus sogenanntem Blu- menthee, d. h. aus den noch nicht ganz entwickelten Blättern, welche sich durch angenehmen Geschmack auszeichnen. Den grünen Thee hält man in Rußland für besser, als den schwarzen, obgleich man wohl weiß, daß Chinesen ihm diese Farbe durch Rösten auf Kupferplatten geben. Bei Arm und Reich findet man in Rußland Thee, und Klein nnd Groß genießt täglich eine Menge dieses Getränkes. Wenn der Gast in's Zimmer tritt, erscheint sogleich als unmittelbarer Nachfolger desselben der Samowar. Alle Gäste werden mit Thee bewirthet, und da die Hausfrau ihre Tasse mit dem Gaste trinkt, kommt sie an Sonn- und Feiertagen, an welchen es viele Besuche gibt, oft in einem Tage auf mehr als 20 Tassen; Männer trinken noch größere Porzionen. Da der Thee in Rußland glühend heiß
432 Bewohner Europas. Die Russen.
Thee wird in Rußland in außerordentlicher Menge getrunken, und ist ein großes Bedürfniß des Volkes geworden. Der Thee kommt nach Rußland aus China über Kiachta, also zu Lande, und ist der weiten Landreise ungeachtet doch so wohlfeil, daß auch der Arme ihn anschaffen kann, und dazu kömmt noch, daß er besser ist, als der Thee, welcher von Holländern und Engländern zu Wasser nach Europa gebracht wird, weil er auf der See nicht verdorben wird. Die untern Klassen trinken den Thee mit Honig, weil ihnen Zucker zu theuer ist, und an vortrefflichem Honig, der von den wilden Bienen in Rußlands Lindenwäldern gesammelt wird, ist kein Mangel, es ist derselbe sehr wohlfeil. Die Russen nehmen selten Milch oder Sane zum Thee, sondern trinken ihn meist ohne diese. Arme Leute pflegen die Blätter nach einmaligem Gebrauche wieder zu trocknen und noch einmal zu kochen, wodurch natürlich der so bereitete

