434 Bewohner Europa s. Die Russen.

bedeckt ihn mit Kleidungsstücken und Pelzwerk, und macht sogleich heißen Thee, wovon er so viel, als nur möglich, zu sich nehmen muß. Hat der Kranke sich unter die dicken Federbetten verborgen, und den siedendheißen Thee getrunken, so tritt ein Schweiß über den ganzen Körper ein, und die gefährlichen Vorboten dieser Zehrkrankheit verlieren sich eben so schnell, als sie gekommen. In der nächsten Viertelstunde kann der Kranke oft schon seinen Kopf wieder aus dem Pelzwerke hervvrstrecken, und an den Gesprächen der Gesellschaft Theil nehmen, während er ohne diese schnelle Hilfe sicher verloren gewesen wäre. Allmählig nimmt man die Decken wie­der ab, und der, welcher dem Tode verfallen schien, seht sich wieder unter seine Freunde.

Wird diese nothwendige Hilse mit Thee nicht sogleich geleistet, so wandelt der Erkrankte gewöhnlich schon am andern Tage den Weg, von welchem noch niemand zurückgekehrt ist, und ist dieses nicht der Fall, so ist er am ganzen Leibe von der Gicht gelähmt, und stirbt so unter Schmerzen langsamer. Diese Menschen kann man an ihrem Äußern durch ihr abster­bendes oder abgestorbenes Gesicht sogleich erkennen, so wie auch die ge­lähmten Glieder den Kandidaten des Todes verrathen. Fragt man so Erkrankte nach ihrem Befinden, so erhält man von ihnen die Antwort: ich habe mich erkältet (prosdudilsa). Da der Russe weiß, was dieses zu bedeuten hat, und die Folge davon ist, so hört er solche Erklärung mit Schauder.

Durch die vielen heißen Bäder erhalten die Russen ihre Haut weid, und rein, und da sie aud) in gesunden Tagen sehr viel heißen Thee ge­nießen, so daß ihr Körper über und über von Schweiß trieft, sind sie sehr geneigt zum Schwitzen, und deßhalb geschickt, den gräßlichen Einflüssen der Witterung zu widerstehen.

Ähnlich, wie man es im nördlichsten Deutschlande hin und wieder findet, hat man in Rußland Schnappsarten oder Liköre, welche Naliwki genannt werden, und die man durch Aufgießen von Franzbranntwein auf Kirschen, Schlehen, Vogelbeeren, Himbeeren u. s. w. bereitet, und die unter verschiedenen Namen, als Wüschnowka, Malinowka, Räbinowka u. s. w. bekannt sind, die, alt, ganz vortrefflich, dem Weine ähnlich, und von Vielen lieber als dieser getrunken werden. Auf den Tafeln der Vor­nehmen findet man häufig fremde Weine, hauptsächlich Champagner; auch wädist im südlichen Rußland ein Wein, der dem Champagner an Klar­heit und Wohlgeschmack, aber nicht an Geist, ähnlich ist. Dieser Donwein wird auch Don-Champagner genannt, und ist in Rußland sehr häufig.