454 Bewohner Europa s. Die Nüssen.

Unter den Leckereien der russischen Tafel stehen die Vareuiky's und die Batwinia oben an. Beide sind dem Lande eigenthümlich, und für einen, der kein Gastronom ist, schwer zu beschreiben. Die Vareuiky's be­stehen im Allgemeinen aus eingesottenen Früchten und Beeren, und sie theilen sich in beinahe unzählige Unterarten. Die Batwinia, der König der Olla- potrida, ist ein sonderbares Gemisch von Fleisch, Fischen, Krebsen, ringe- salzenen Gurken, feinen spanischen Zwiebeln und dergleichen Ingredienzien. Sie wird gewöhnlich zwischen Stücke von Eis auf einer großen Schüssel in die Mitte des Tisches gestellt. Der Kaiser Alexander lies; bei seiner Anwesenheit in Wien während des großen Kongresses diese gerühmte Bat­winia auch bei einem diplomatische» Gastmahle auftragen, das er den fremden Gesandten und Ministern gab. Als er den bekannten Marschall Vorwärts von dieser Speise nehmen, und mit saurem Gesichte essen sah, fragte er ihn, wie er diese Lieblingsspeise der Russen finde.8i>-e," sagte der gerade Soldat,je la trouve dcieatable und gab das Übrige dem nahe stehenden Diener. Der Monarch lächelte über diesen Angriff auf sein Leibgericht, und sehte den übrigen Gästen mit einer Art von Vorliebe und mit nicht geringer Sachkenntnis; die kostbaren Bestandtheile desselben aus­einander. Nebst diesen beiden Speisen gibt es aber noch viele andere, die im Auslande eben so unbekannt sind, und von denen viele so gut schmecken, daß sie es wohl verdienten, von unsern Gourmands näher beachtet zu wer­den. Hierher gehört die berühmte Borschtsnppe mit Kohl, rothen Rüben und Fischstücken; die Pirogi oder gefüllten Kuchen, die sehr wohlschmecken­den Sterlette, eigens zubereitete Wasserhühner, Schweinefleisch mit Trüffel», astrachanische Beeren und krimmische Früchte, und wie die Dinge alle heißen, die einen an solche Fülle und an solches Gemisch ungewöhnten Magen schon nach dem ersten Versuche in die größte Verlegenheit bringen können.

Bäder.

Die Russen sind weit nicht so unreinlich wie die Polen, und von Kind- heit an gewöhnt, häufig zu baden. Der Russe badet viel öfter, als die wegen ihrer Reinlichkeit berühmten norddeutschen Völker: selbst der arme russische Bauer badet wenigstens alle Wochen ein- oder auch mehrmal. Bettler und Fuhrleute glaubten, nicht leben zu können, wenn sie nicht mindestens jeden Sonnabend ein Bad hätten, und fürchten vor Schmuh und Unreinlichkeit unterzugehen, wenn sie dieser Wohlthat eine Woche ent­behren sollten. Wie häufig kommt es nicht vor, daß die eleganten Pari­serinnen oder die geputzten Damen Madrids im Winter einen ganzen