468 Bewohner Europa's. Die Lappen oder Lappländer.

In der Mitte sind Steine im Viereck gelegt, zwischen welchen das Feuer brennt. Stühle und Bänke sind in den Hütten nicht; man hockt mit un­tergeschlagenen Beinen im Kreise um das Feuer herum. Wenn die Lappen ihren Waideplatz wechseln, brechen sie die Hütte ab, und laden sie auf Rennthiere. Der Reichthum dieser Menschen besteh^ in Rennthieren, von welchen Wohlhabende 4 bis 500, Reiche oft bis lvoo Stücke haben. Wer nicht über 100 Stücke hat, den hält man für arm. Alles vom Rennthiere benutzt der Lappländer auf irgend eine Weise. Im Juni und Juli wird es täglich zweimal, im August und September einmal des Tages gemolken. Die sehr fette und nahrhafte Milch hat an Geschmack Ähnlichkeit mit der Schafmilch, und der Rahm derselben ist noch einmal so dick, als der Rahm der Kuhmilch. Im Winter läßt man sie in Tonnen gefrieren, die man in die Erde gräbt; und wenn man davon genießen will, haut man ein Stück ab. Da die Milch so fett ist, pflegt man sie häufig mit etwas Schnee zu vermischen. Käse macht man nur aus unabgerahmter Milch, und nicht aus der gleichen Milch, aus welcher man die Butter bereitet, die schneeweiß ist, und einen sehr weichlichen Geschmack hat. Der Käse ist besser, und damit er nicht schimmlig werde, räuchert man ihn. Das Fleisch verzehrt man theils frisch, zum Theil bewahrt man es geräuchert auf. Aus dem Blute bereitet man Wurst oder Suppe, aus den Sehnen sehr starken Zwirn, aus den Geweihen Leim oder Gelee, Löffel, Mcsserhefte, Stockknöpfe. Den Magen und die Gedärme kocht man, aus den Füßen bereitet man Sulze, und auch die Knochen werden benutzt. Die Felle werden als Betten oder als Pelzwerk gebraucht.

Die Waldlappen haben weniger zahlreiche Rennthierhcrden, die sie in den Wäldern auf die Waide treiben. Weil sie durch die geringere An­zahl dieser Thiere nicht hinreichende Nahrung haben, so treiben sie nebenher auch Fischerei, was noch mehr bei den Fisch er läppen der Fall ist, die nur wenige, zuweilen gar keine Rennthiere haben, von einem See zum andern ziehen, und sich bloß von Fischen nähren. Die Rennthiere geben die Fischerlappen bei den Alpenlappen auf die Waide. Auf den Seen haben sie größere und kleinere Boote, von welchen sie jene kaufen, diese selbst bauen. Die kleinen schwachen Boote schlagen leicht um, haben keine eiserne Nägel, und sind nur mit Seilen und Baumwurzeln zusammen­gebunden.

Die Bettellappen vermiethen sich als Hirten oder Taglöhner, oder nähren sich durch Betteln. Sowohl diese, als die Wald- und Fischerlappen sind gewöhnlich verarmte Rennthierlappen, welche ihr Vieh durch Unglücksfälle