Bewohner Europa s. Bewohner v. Großbritannien n. Jrcland. 477
Menge einzelner Karaktere den Gcsammtkarakter schwer herauszufinden vermag. Vvlksstolz, strenges Festhalten an vaterländischen Gebräuchen, Vorschriften »nd Gesehen ist allen gemeinsam, sowie der Handelsgeist fast durch das ganze Volk verbreitet ist. In ehelicher Treue könne» die Briten vielen Völkern als Muster dienen, und die Schönen Großbritanniens, deren Zahl sehr groß ist, sind vortreffliche Mütter und Hausfrauen, die zwar, wie die Männer, ein angenehmes komfortables Leben wünsche», dennoch aber ihr Hauswesen ganz vortrefflich ordnen. Eigen ist es, daß das männliche Geschlecht, besonders der höheren Stände, grvßentheils außer dem älterlichen Hause, das weibliche Geschlecht dagegen im älterlichen Hause erzogen wird. Die Volksvergnügungen Großbritanniens sind sehr mannigfaltig; besonders sind die Engländer große Freunde vom Wetten und Wagen, und selbst ihre Pferderennen, welche sie sehr lieben, bieten ihnen Gelegenheit dazu, so wie ihre Jagden und Fuchshetzen.
Unter den Bewohnern des nördlichen Theiles, unter den Schotten, sind manche andere Sitten und Gebräuche, als bei den übrigen Bewohnern der südlichen Hälfte. Die Bergschotten zeichnen sich durch eigene Kleidung aus. Ihr Plaid oder Brechan, oft ihr einziges Kleidungsstück, selbst während des Winters, ist ein langes, schmales Stück Zeug, in das sie den Körper bis zu den Knieen einhüllen. Der Plaid hat gewöhnlich Streifen von hellen Farben, und man trägt dazu kurze Strümpfe und Stiefel mit rothen Schnüren; eine Spange hält diesen Überwurf auf der Achsel. Außer dem Plaid trägt man lange Wämmser, welche zugleich einen Theil der Beine bedecken, und Philbech heißen. Selbst die schottischen Krieger haben dieses eigene Kleidungsstück, und keine Beinkleider, so daß ihre Kniee bloß sind. In den Gebirgsgegenden Schottlands hat man an dem Philbech einen kleinen Sack, oder einen ledernen Beutel, worin man Taback und Geld aufbewahrt. Bis in das achtzehnte Jahrhundert gebrauchten die Hochländer den Bogen und die Streitaxt, Axt des Loch ab er genannt, so wie den Schild (Torget) und das alterthümliche Schlachtschwert, wo- hinzu noch der Dolch (Dirk) kam, den man am Gürtel beseitigte. Bei den Bergbewohnern Schottlands findet man auch beim weiblichen Geschlechte einen Plaid vder Tonnag, womit sie den Kopf verhüllen, wenn es schlechtes Wetter ist. Verheirathete Frauen tragen ein Stück weißer Leincwand, welches Kirch heißt, und auf der Stirne befestigt wird. Die Mägdchen binden ihre Haare nur mit einem Bande. In den Städten ist die Tracht der schottischen Frauenzimmer der der Engländerinnen gleich.
Aberglauben findet man in den schottischen Gebirgsgegenden noch viel,

