gen, das wir Jedesmahl empfinden, wenn wir unserm Nächsten dienen, nicht in Anschlag zu bringen, so soll uns schon der einfache Sittenspruch dazu anspornen: »Thue dasjenige an Andern, was du willst, das man dir selber in gleicher Lage crwei- s c.« Diese und ähnliche Gespräche der Mutter wirkten lebhaft auf Emils empfängliches Gemüth, und er bemühte sich ernstlich, seinen Fehler abzulegen, was

8

sie eines Tages, »wenn es uns oft unbequem scheint, uns einer warmen Hülle bloß für einen Augenblick zu entledigen, was wird nicht der Arme leiden, der den ganzen Tag, nur leicht bekleidet, den Stürmen des Winters ausgesetzt ist, und dann Abends, vom Froste erstarrt, doch kein warmes Zimmer und oft nicht ein­mahl ein schlechtes Bett findet? Oder wenn wir auf ein Vergnügen so erpicht sind, daß wir nicht einmahl die Minute verlieren wollen, unsre kleine Gabe dem Bedürftigen zu reichen, können wir uns »icht vorstellen, wie ihm zu Muthe seyn muß, der auf kein Vergnügen denken kann, sondern mit den härtesten Nahrungssorgen zu kämpfen hat? Freylich können wir einwenden, daß die Kleinigkeit, die wir ihm reichen, oft kaum seinen Hunger stillen, und jedenfalls nicht hinreichen kann, ihm wärmere Kleider oder eine geheizte Stube zu ver­schaffen aber wenn sich das jeder sagt, erhält der Arme gar nichts, wogegen wir, wenn jeder von uns denkt, seine kleine Beysteuer werde ihm auch nützlich, dadurch wirklich beytragen, daß ihm von mancher Noth wirksam geholfen werde. Aber nicht allein das Geld ist es immer, was einem Bedürftigen noth thut; oft braucht er weit nothwendiger andre theilnehmende Beyhilfe: eine freund­liche Auskunft, einen kleinen Dienst oder dergleichen und wenn wir uneigennützig genug sind, das Vergnü-