Sophie hingegen, die sich kurz vorher beym Biegelu der Wäsche den Arm verbrannt hatte, klagte trotz der heftigsten Schmerzen nicht weiter, war aber auch so un­vorsichtig, nichts zur Heilung zu thun, und man mußte zuletzt einen Wundarzt zu Hilfe nehmen, welcher die Meinung war, nur eine schnelle Operation mittelst Ein- schneidcn der Wunde könne verhindern, daß die Knochen nicht selber angegriffen, und dieß Uebel hindurch sehr ernsthaft würde. Sophie erblaßte zwar bey diesem Ausspruche, allein als sie vernahm, schnelle Hilfe sey die Beste, entschloß sie sich gleich, in diesem Augenblicke jene Operation vornehmen zu lassen, und trotz der eben nicht einladenden Vorbereitung, als sich der Wundarzt die Lan­zette, Charpie und Verbandleinwand zureckt legte, blieb sie vor und während des Einschnittes selbst, der nichts we­niger als kurz oder schmerzlos war, ruhig und gefaßt, von der Mutter unterstützt, in ihrem Krankenstuhle, in­dessen Julie sich selbst zum Zusehen für zu schwach hielt, und davon lief. Aber nicht allein das Aufhören der Schmerzen nach glücklich vollbrachter Operation, noch größere Belohnung war ihr die Zärtlichkeit ibrer Mut­ter, welche mit gerechtem Lobe ihrer Standhaftigkcit er­wähnte, und Sophie konnte zu sich selber sagen: Ich habe nur einige Minuten Schmerzen zu ertragen ge­braucht, und fühle mir nun so reich vergolten.« Der Arm heilte schnell Julie aber mußte fortdauernd Zahn­schmerzen leiden, da sie sich nie zum Ausreißen entschei­den konnte.

Eines Tages waren beide Schwestern zu einem Kinderball eingeladen, den die Mutter von einer ihrer Gespielinnen gab. So sehr sie sich darauf freuten, so grämlich wurde Julie am Balltage selber, als sie nur »in einfaches Musselinkleid, einen Strohhut und sckwarzc