weder langwierig noch gefährlich seyn.« So sehr sie eben die Entbehrung des gehofflen Vergnügens schmerz» lich empfand, vergaß sie doch nicht mitleidig, an die Lage des Bruders ihrer Gespielinn zu denken, indessen Julie mit einem weinend ausgesprochnen: »Nein, waS dieses traurig ist,« ihren Hut unwillig wegwarf, und nur an sich und ihren Kummer dachte, den sie daher auch um so mehr empfand, als gerechte Strafe ihrer Selbstsucht.
»Mir ist leid um euer gestörtes Vergnügen, Kinder»« sagte die Räthinn, »ich werde trachten, euch zu Hause eins zu verschaffen.« »Ich danke dir, liebe Mut« ter,« sprach sie umarmend Sopbic, und als die
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Ledcrschuh zu ihrem Anzüge bereitet fand. Sie glaubte die einzige zu seyn, welche nicht in Seide und mit Blumen geschmückt erscheine, und hörte nicht auf ihrer Schwester vernünftige Vorstellungen, daß sie ja das nicht hin« dre, tanzen und sich unterhalten zu können. Als endlich der Anzug beyder vollendet, und Julie fast schon aus, gcsöhnt mit der Einfachheit ihres Putzes war, fanden sie die Räthinn mit ernsthaftem Gesichte in ihrer Stube sitzen, und auf ihre Fragen bemerkte die Mutter endlich: »Ich habe euch etwas Unangenehmes mitzutheilen.« »Doch kein Unglück?« rief S o p b i e besorgt. »Nein, das nicht, — aber ärgerlich wird es seyn. Heute ist kein Ball.« »Heute kein Ball!« klagten beyde Mädchen ein« stimmig — »warum denn nicht?«
»Der kleine Bruder eurer Freundinn ist krank geworden, und man fürchtet, es sey der Scharlach; es war daher um so weniger rathsam im gegenwärtigen Augenblick einen Ball zu geben, als auch die Anwesenden die Gefahr des Ansteckend zu befürchten hätten.« »Der arme Knabe,« sagte Sophie, »hoffentlich wird sein Uebel

