Endlich war die Lehrstunde vorüber; die Meisterin ging, von der Schülerinn begleitet, weg, und die Stickerinn bcnützte diese Gelegenheit, Cecilien anzureden. »Acb,« rief diese, »ich habe mich noch nicht entschieden; kommen Sie später wieder, um 4 Uhr, oder morgen. Vielleicht lasse ich den Kragen mit Spitzen, vielleicht mit Bändern besetzen; wie gesagt, ich bin noch unschlüßig, kommen Sie nur ja gewiß wieder!« Und mit diesen Worten sprang das leichtsinnige Mädchen in ihr Zimmer, und warf die Thüre zu.
Die arme Frau antwortete nichts, und ging mit blutendem Herzen trostlos weg. Sie suchte sich selbst zu täuschen, und glaubte, Herr Schmidt werde das Uebel nur vergrößert haben, und etwas Thee werde ihrem Kleinen schon helfen. Freylich wäre es besser gewesen, meinte sie, wenn sie von Cecilien die 3 Gulden erhalten hätte, aber an das »Wiedcrbestcllcn« leider gewohnt, — und wenn ihr Kind gesund war, grämte sie sich auch nicht darüber, — tröstete sie sich, daß sie auch mit ihren 4 Groschen dem Kinde Linderung gewähren könne, und holte dafür im nächsten Laden Thee.
Als sie auf die Stiege ihrer Wobnung gekommen war, hörte sie sich schon von der Stimme ibrer Nachbarinn, die sie bey August gelassen hatte, rufen: »K ommen Sie doch schnell, Frau Weber, JhrKnabe scheint recht übel zu seyn, und ich weiß mir nicht zu helfen.« Auf diese Worte flog sie fast die Treppe hinauf, und eilte zu ihrem Kinde, das sie weinend umarmte, indessen ibre gutmüthige Nachbarinn sie zu trösten bemüht war, und schnell den Thee bereitete.
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wollte gehen, — und doch hielt sie die Erwartung des zu empfangenden Geldes zurück.

