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»Wenn die Frau so arm ist, darf ich wohl ihre Armuth nicht benutzen; nicht wahr liebe Mutter?«

»Gewiß nicht, mein Kind.«

»Gut denn, weil ihr Kind krank ist, will ich ihr gleich durch Bctti statt 3, fünf Gulden schicken.«

»Das ist schön, liebe Cecilie, weil aber5fl. nicht hinreichen werden, so will ich noch 10 dazufügen, und wir gehen, sie ihr selber hinzubringen, um uns zu über­zeugen, ob ihr sonst nichts als Geld fehle.«

»Wie gut Sie sind, liebe Mutter; ich habe nie ge­dacht , daß man einem Armen etwas Anders als Geld zu geben braucht.«

»Wären denn Trost und Sorgfalt nicht auch Etwas, das wir zu erweisen verpflichtet sind? So hast Du wohl auch nicht gedacht, daß es Unrecht war, der armen Frau ihr sauer verdientes Geld vorzuenthalten.«

»O nein, liebe Mutter, es ist ja nur von gestern her.« »O glaube mir, mein Kind, 24 Stunden sind sehr lang, besonders wenn sie in Elend und Angst vergehen.«

Unter diesen Gesprächen waren sie in der Frau Weber Wohnung gekommen, und Cecilie, welche diesen Weg als Spaziergang angesehen hatte, fühlte ihr Herz beym Eintritte nicht wenig beklommen. Auf einem elenden Bette lag ein armer 8jähriger Knabe, dessen bleiches Angesicht die Stärke seiner Krankheit zeigte. Die Mutter saß bey ihm, hielt seine heißen Hände fest geklammert, und verwendete kein Auge von ihm. Neben dem Bette war Herr Schmidt eifrig mit dem Kleinen beschäftigt, und Frau Mayer bereitete unter leisem Ge­bethe, ein kühlendes Getränk.

Der Knabe athmete kaum mehr, die arme Mutter hatte fast keine Thränen mehr, und der theilnehmende Arzt runzelte sorgenvoll seine Stirne. Cecilia nahte