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Nosamunde saß int weichen Moose; vor ihr lag ein schönes Reh und schaute dem Kinde klug in das freundliche Auge. Die Prinzessin steckte ihm kosend einen Bissen nach dem andern von dem ausgesparten Mahle in den Mund, und plauderte dabei so hold und zärtlich, als spräche sie mit einem lieben Gespielen.
Das also war des Kindes unschuldvolles Glück; wen Hütte es nicht rühren sollen? Doch das tückische Gemüth Sabinens war solcher Rührungen nicht fähig. Wüthend sprang sie mit einer langen Haselruthe hervor, um aus das Reh loszupcitschen. In dem Augenblick aber umschlang das Mädchen mit den Armen das geliebte Thier und deckte es vor den Streichen mit ihrem zarten Körper.
Ohne Klage ertrug sie die Schmerzen der Mißhandlungen, und bei jedem empfindlichen Schlag, der auf sie niederfiel, war das starke Herz des schwachen Kindes froh, daß er nicht den geliebten Schützling traf.
Endlich ermüdete der Zorn der Alten; sie riß nun die Prinzessin empor und schleppte sie zankend und tobend ins Schloß, gab ihr doppelte Arbeit auf und schickte sie spat am Abend hungrig zu Bett.
Dtieff Erzählungen. 8

