tüchtigen Sinn habe, denn dies hielt der Doctor für die nothwendigste Bedingung seiner geheimen Kunst; und er beschloß deshalb, den jungen Menschen nochmals zu prüfen. Er rief ihn an sein Bett und sagte:
„Was hältst Du von meiner Krankheit? Glaubst Du, daß ich noch einmal genesen werde? Aber ich bitte Dich, rede die Wahrheit nach Deiner Ueberzeugung und nach Deinem Gewissen."
Der Famulus sah wohl ein, daß es für den Meister keine Hülfe mehr gab, allein er dachte: wenn ich ihm Hoffnung mache, so freut es ihn wohl, und er hinterläßt mir zum Dank all' seine Tincturen und Arcanen, womit ich mir dann viel Geld und Gut erwerben kann. — Er stellte sich daher sehr betrübt und sagte: „Wie mögt Ihr nur so Trauriges reden, großer Meister, denn Ihr wisset wohl, Euer Tod wäre für mich das größte Unglück. Doch was sage ich für mich — für die ganze Welt! Aber Gott Lob, so schlecht steht es noch nicht um Euch, auch seht Ihr heut gar nicht mehr übel aus; ich will darauf schwören, daß Ihr in wenig Tagen durch Eure unvergleichlichen Heilmittel wieder gesund werdet!"
Paracelsus, der wohl wußte, wie gleißnerisch und unwahr diese Worte waren, sah nun, daß sein Famulus

