Vorwort
„Man muß es verzeihlich finden," sagt Niemeyer, „wenn viele Lehrer, deren Geist in so vielen Schulen ohnehin unter dem Drucke der Nahrungssorgen erliegt, oder in viel wichtigern Dingen nach etwas Höherem strebt, den Elementarunterricht lässig treiben. Eltern, besonders Mütter, wären die besten Lehrerinnen der Elemente, weil das Interesse für die Geistesentwickelung ihrer Kinder schon in ihrer Natur und in ihrem Verhältniß liegt."
Für Mütter nun, welche diesem Winke eines unsrer ersten Pädagogen folgen wollen, ist das vorliegende Büchlein bestimmt. Ihnen wird schwerlich das genügen, was unsre gewöhnlichen ABC- und Lesebücher, meist einzig auf Belehrung berechnet, bieten; sse müssen wünschen, daß ihr Unterricht zugleich das Kind erfreue, wodurch er auch eindringlicher wird, und sein Herz bilde, dazu aber ist nöthig, daß die im Lehrbuche enthaltenen Leseübungen wahrhaft gemüthlich seien, wie man sie nur selten antrifft. Ueberhaupt giebt es nur wenige kleine Gedichte und Erzählungen für das zarteste Kindesalter, welche dieser Anforderung entsprächen, und die Aufgabe, eine hinlängliche Anzahl auszulesen, war nicht so leicht, als sie beim ersten Anblicke scheinen möchte.

