48
vielen Thränen in einem Gebet auf den Knien in die Hände des besten Kindcrfreundes, und segnete sie zu ihrer Heimfahrt ein, und bei dem letzten Worte: Friede! that sie den letzten Athemzug. Der überaus liebliche Blick ihrer Leiche machte viel Eindruck auf alle Besuchenden. Den 25. Nov. war ihr Begräbniß nach hiesiger Landessitte. Ich bekam jedoch zu meiner Freude die Erlaubniß, vorher in unserm Logis bei der Leiche nach Belieben zu handeln, da ich dann nach dem Gesang einiger Verse und einer Anrede besonders an die Kinder, etwas aus der Begräbniß- Liturgie der Brüdergemeine betete, wobei von den anwesenden Schotten, welche die Stube ganz anfüllten, viele Thränen vergossen wurden. Das Leichcngefolge ging nun auf den Gottesacker der Süd-Leith-Kirche, und die Leiche wurde ohne weiteres eingesenkt. Dem Herrn allein ist bekannt, warum eö Ihm gefallen hat, daß dieß mein Tochterlein in diesem fremden Lande verscheiden sollte, und auch Er allein konnte mein Herz darüber trösten, welches jedesmal, so oft ich in der Folge vor diesem Gottesacker vorbeiging, auf's neue verwundet wurde.
Als ihre liebe Mutter am 19. Mai dieses Jahres (1812) heimging, und sie der kleinen Katharina als Leiche weiß angezogen und einige Blumen in der Hand haltend, gezeigt wurde, ge- rieth sie bei dem Anblick, anstatt in Betrübniß zu versinken, vor Freude wie ganz außer sich. Sie lief bei Europäern und Grön-

