91
Fürst Raul war darüber sehr betrübt, und überbrachte ihren Angehörigen selbst die traurige Botschaft, wobei er sehr weinte und die hohen Lugenden, der hohen Verblichenen, dergestalt pries und rühmte, daß manniglich darüber erstaunte, wie lieb er sie gehabt habe.
„Nur einen Fehler hatte sie," schloß er immer, so oft er von ihr erzählte, „die verdammte Neugierde!" Wenn man ihm aber nun sagte: „die Neugierde ist das Erbtheil des schönen Geschlechts von Eva her, und ein Mann kann sich glücklich schätzen, wenn die Frau keine größere Untugenden hat, als das Bischen Neugierde;" dann seufzte er tief und sprach: „Wahr! wahr! — aber — ach! ach! meine liebe Gertruds!" — (Gertruds hatte nämlich feine selige Frau geheißen,) — und es schien als würde er sich nimmer ob ihren Verlust zufrieden geben.
Indessen: kommt Zeit, kommt Rath! und der beste Rath für einen Wittwer ist, daß er wieder heirathet, vorausgesetzt, daß er mit der lieben Seligen glücklich fertig wurde.
Fürst Raul war mit seiner lieben Seligen glücklich fertig geworden, und that sich daher nach einem halben Jahre um eine zweite Frau

