also nichts Wirkliches, sondern blos den Schatten seiner Einbildungskraft liebgewinnen!"

Za wohl wär' es darum Jammer und Schade! Aber darüber beruhigt euch immer, denn glaubt mir nur, es ist kein Zug in allen den gemalte» Menschengesichtern, den der Maler nur erfunden, und der nicht wirklich einst Leben gehabt haben sollte. Wie ihr in eurem Garten prüfend umher­geht, um nur die schönsten passendste» Blüthen zu euren Kränzen zu wählen, so schaut sich des Künst­lers Auge im Garten des Lebens um, und wählt aus den vorüberwandelnden Meuschengcsichtern die edelsten sprechendsten Züge, auf daß er den Kranz seiner Helden, seiner Mütter und seiner Engel dar­

aus würdig vollenden möge. Und so übt sei» Pin­sel denn Gerechtigkeit aus: den edlen ausdrucksvol­len Kopf eines geringen Mannes setzt er im Bilde vielleicht dem Könige auf; das schöne unschuldsvolle Antlitz eines armen Kindes giebt er einem Engel, lind so hält er die lieblichen himmlischen Züge fest, aus denen die Reinheit der Seele im Leben alle Welt anstrahlte, ehe sie vergehen, und giebt sie der Nachwelt, die sie nach Jahrhunderten noch bewun­dert und liebt, und vielleicht zu ihnen betet.

Hier auf diesem Bilde seht ihr einen Künstler, der eben im Begriff steht, ein solches lebendiges Bild mit seinem Pinsel aufzufassen. Er hat in der Be­geisterung und in Ermangelung eines andern Raums,