und sprach: „Wenn Du beide vertheilest, was bleibt dann Dir, Auguste, für Deine Mühe und Pflege?"
„„Habe ich mich nicht a» den Blüthen gelabt, und an dem allmäligcn Wachsthum der Früchte, und war das nicht Freude genug. Du Geliebte?"" So sagte Auguste und sah mit heiterm Blick zu der theuern Fragenden empor.
Da umarmte die Mutter das herzige Kind, und der Lehrer bemerkte: „Wohl hattest Du Recht, Auguste! Der ist nicht arm, der das Gefühl frommer Dankbarkeit > auszu- sprechcn vermag in Wort und That! Der schönste Reichthum ist ein Herz voll Liebe; denn jede Entbehrung selbst wird ihm zur Freude, und gewiß beglückt jegliche Wohlthat den Geber eben so tief und innig, als Jenen, der die Gabe aus den Händen der Liebe empfangen."
Ver schönste Reichthum. 13
Aber, als hätte die Sonne des Kindes Kummer gesehen, so versandte sie jetzt auf Augustens Fenster ihre erquickendsten Strahlen. Täglich reiften die Früchte schöner heran, schon verlor sich das dunkle Grün in schimmerndes Goldgelb, bis die schwellenden Orangen in ibrcr Vollreife hcrvorstrahltcn aus der schattigen Verhüllung. — Aber Auguste berührte das Däumchen nicht; sie harrte geduldig, bis die saftigen Früchte herabfielen, von der eigenen Schwere gebrochen. Freudig »ahm sie nun die duftige Gabe, und legte sie behutsam in eine zierliche Schale, und eine» blühenden Kranz darüber.
So trug sie das köstliche Geschenk hinab in die Laube vor der Thür, wo die Mutter saß und der freundliche Lehrer.
Sittig nahte sie ihnen, und legte mit kindlichem Lächeln vor Jedes eine der herrlichen Früchte, und ihre Augen glänzten von stillem Entzücken.
Aber die Mutter streichelte gütig des Kindes rosige Wange,

