32 Sie Weinrebe
Die Weinrebe.
Als des geliebten Lenzes Pracht Zum ersten Mal der Erd' gelacht,
Als Busch und Baum im Brautgewand Der süßen Maicnblüthe stand:
Der Pfirsich hier die Zwciglcin roth, Dort Silbcrschmnck der Obsthain bot, Und selbst der niedre Schlccdcrnstrauch Erblühte bei der Lüfte Hauch:
Da stand in den geschmückten Reih'n Die arme Rebe ganz allein.
Schmucklos und ohne Frühlingszicr, Ward Mitleid nur, nicht Liebe ihr; Kaum bot der Schwestern stolze Schaar Des Blickes flücht'ge Gunst ihr dar.
Da schritt ein Engel still daher,
Sich labend an der Düfte Meer,
Und a» dem süßen Lcnzgcschmcid',
An aller Wunder Herrlichkeit. Stillpreisend seines Gottes Macht, Begrüßt' er jedes Baumes Pracht Und jede Blüthe, groß und klein,
Frisch aufgeküßt vom Sonnenschein.
Und als er jetzt zur Rebe kam,
Unifing die arme tiefe Scham,

