Doch bald erhebt sich nach dem düstern Schweigen Ein edler Streit. Adele strebt mit Macht Die grauenvolle Klippe zu ersteigen.
An deren Fuß der Tod v erräth'risch wacht.
Umsonst sucht Alma ihren Sinn zu beugen,
Indem sie selbst den Gang sich zugedacht;
So halten sie sich an der Kluft umfangen.
In Furcht und Muth, in Zagen und Verlangen.
Vergebens hält der Ritter sie zurücke!
Schon klimmt ihr Fuß den steilen Fels hinan. Schon bücken sie am schroffen Felsenstücke Sich tief hinab, die Blume zu empsahn:
1oO SchwesterUebe.
Und wie die Freunde nun in sel'gcm Schauen Der Blume nah'n, um die so licht und schön Der Jugend Glanz, des Lichtes Strahlen thauen, — So muß ihr Blick zugleich die Kluft erspäh'n.
An welcher sie nicht ohne inn'res Grauen Die schlanke Staude zitternd schwanken sehn.
Glatt ist der Pfad, der hin zu ihr geleitet.
Und sichrer Tod dem Strauchelnden bereitet.
Stumm stehn die Schwestern, Hand in Hand geschlossen, Und auch der Ritter steht bestürzt und schweigt.
Von Trauer ist die hohe Stirn umflosscn.
Und trüb' der Blick, der sich zur Tiefe neigt. — Sanft spielt der Zephyr in den grünen Sprossen,
Aus denen hoch die Wunderblume steigt.
Doch scheint sie jetzt, so herrlich sie auch blühet,
Ein Todeskclch, in dem Verderben glühet.

